Islamfeindlichkeit Indisches Gericht bestätigt kontroverses Kopftuchverbot

Indien grenzt die muslimische Minderheit mit Gesetzen aus. Nachdem der Streit über ein Verbot des Hidschabs im Süden des Landes eskaliert war, hat ein Gericht die Entscheidung bekräftigt.
Proteste gegen Kopftuchverbot in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi

Proteste gegen Kopftuchverbot in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi

Foto: Pradeep Gaur / ZUMA Wire / IMAGO

Ein Gericht in Indien hat ein kontroverses Kopftuchverbot in Klassenzimmern eines südlichen Bundesstaats bestätigt, das größere Proteste ausgelöst hatte. Ein Hidschab – ein auch den Hals umschließendes Kopftuch – sei nicht Teil wesentlicher Praktiken im Islam, begründete Staatsanwalt Prabhuling Navadgi das Urteil im Bundesstaat Karnataka gegenüber Reportern am Dienstag. Die klagenden muslimischen Studentinnen sehen einen Verstoß gegen die Verfassung und wollen nun vor das höchste Gericht ziehen.

Ausschreitungen nach viralem Video

Das Kopftuchverbot hatte die Stimmung aufgeheizt: Muslimische Studentinnen demonstrierten dagegen, rechte hinduistische Männer dafür. Dabei flogen nach Polizeiangaben teils Steine, es wurde Feuer gelegt. In einem Bundesstaat im Süden Indiens blieben Schulen vorübergehend geschlossen. Die Kontroverse begann, nachdem ein Internetvideo zeigte, wie Schülerinnen mit Kopftuch davon abgehalten wurden, in ihr Klassenzimmer zu gehen.

Unter anderem Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai hatte sich auf Twitter mit den jungen Musliminnen solidarisiert. »Die Versachlichung von Frauen besteht fort – wenn sie zu wenig und zu viel tragen«, schrieb Yousafzai.

In Indien sind die meisten der 1,3 Milliarden Einwohner Hindus, Muslime stellen mit 14 Prozent der Bevölkerung die größte Minderheit. Religion ist für fast alle ein sehr emotionales Thema. Die hindunationalistische Regierung unter Narendra Modi betreibt seit Amtsantritt eine Ausgrenzungspolitik gegenüber Minderheiten.

muk/dpa