Neutrale Milliardendemokratie Indien »zutiefst besorgt« über russische Montagsoffensive

Indien hat sich im Ukrainekrieg bislang neutral verhalten. In den letzten Wochen ist das Land aber zunehmend auf Distanz zum Kreml gegangen. Die Reaktion auf die jüngsten Angriffe fällt nun auch klarer aus.
Narendra Modi

Narendra Modi

Foto: Twitter / dpa/PTI

Indien ist »zutiefst besorgt« über die russischen Raketenangriffe auf ukrainische Großstädte. Sein Land rufe zu einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen auf und biete Unterstützung für Deeskalationsbemühungen an, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Neu-Delhi am Montag. Es sei dringend erforderlich, auf den Weg der Diplomatie und des Dialogs zurückzukehren.

Die Milliardendemokratie verhielt sich mit Blick auf den russischen Angriffskrieg bislang neutral , da sie enge Beziehungen zum Westen wie zu Russland hat. Indien trägt westliche Sanktionen nicht mit und wirbt zugleich für eine Konfliktlösung durch Dialog. Zuletzt kaufte Indien mehr verhältnismäßig günstiges Öl aus Russland. Auch bei seiner militärischen Ausrüstung und bei Ersatzteilen ist Neu-Delhi stark auf Moskau angewiesen, unter anderem weil westliche Länder lange keine Waffen an Indien verkauften. Für den Westen ist Indien als bevölkerungsreichste Demokratie der Welt unter anderem wegen Chinas Dominanzbestrebungen relevant.

Bei den Vereinten Nationen bislang neutral präsentiert

Als Russland in der vergangenen Woche mit einem Veto im Uno-Sicherheitsrat eine Resolution zur Verurteilung seiner Annexion von vier ukrainischen Regionen verhindert hatte, hatte sich Indien seiner Stimme in diesem Gremium noch enthalten, ebenso wie China.

Und doch passt die nun erfolgte Einlassung aus dem indischen Außenministerium in eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Wochen immer mehr abzeichnet. Erst vor wenigen Tagen hatte der ukrainische Präsident Selenskyj mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi telefoniert und ihm danach für dessen Unterstützung gedankt.

Die russische Regierung versucht ihrerseits, Indien weiter an sich zu binden – und damit von der Ukraine fernzuhalten. So hat der Kreml etwa vor wenigen Tagen den Preisdeckel auf russisches Öl als Teil des EU-Sanktionspakets gegen Russland als »absurd« bezeichnet. Die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau sagte: »Unsere Antwort wird sein, die Ölexporte auf die Länder umzuleiten, die bereit sind, normal mit uns zusammenzuarbeiten.« Dazu gehört etwa Indien als Großabnehmer.

dop/dpa/AFP
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