»Grausames Weihnachtsgeschenk für die Armen« Indien schränkt Spenden an Mutter-Teresa-Orden ein

In Indien werden Hindu-Hardliner immer einflussreicher. Nun hat das Innenministerium entschieden, dass die Hilfsorganisation von Mutter Teresa kein Geld mehr aus dem Ausland erhalten darf.
Eine Nonne des Mutter-Teresa-Ordens im indischen Kalkutta: Die Organisation darf keine Gelder mehr aus dem Ausland erhalten

Eine Nonne des Mutter-Teresa-Ordens im indischen Kalkutta: Die Organisation darf keine Gelder mehr aus dem Ausland erhalten

Foto: Bikas Das / dpa

Eine von der Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa gegründete Hilfsorganisation kann vorerst nicht mehr auf ausländisches Geld zugreifen. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung des indischen Innenministeriums hieß es, eine entsprechende Lizenz für die Wohltätigkeitsorganisation Missionaries of Charity sei nicht verlängert worden.

Grund seien »nachteilige Informationen«, die man bemerkt habe, hieß es. Die katholische Ordensgemeinschaft betreibt Waisenhäuser und Kliniken für arme Menschen in ganz Indien.

Die Organisation mit Sitz in Kolkata hat nach eigenen Aussagen ihre Zentren angewiesen, vorerst keine Bankkonten mehr zu nutzen, auf denen ausländisches Geld liege – solange, bis die Situation geklärt sei. Bei der betroffenen Organisation handelt es sich um die »Missionarinnen der Nächstenliebe«.

Vor rund zwei Wochen hatte die Polizei im Bundesstaat Gujarat mit Ermittlungen begonnen. Vertretern der Organisation wird vorgeworfen, Hindus zum Übertritt zum Christentum gezwungen zu haben. Der Vorwurf der »erzwungenen Konversion« wird von hindunationalistischen Hardlinern in Indien immer wieder erhoben. Die Organisation bestreitet das.

Der Generalvikar der Erzdiözese Kalkutta, Dominic Gomes, bezeichnete die Entscheidung als »grausames Weihnachtsgeschenk für die Armen«. Der Tageszeitung »Hindu« zufolge erhielt die Organisation im Haushaltsjahr 2020/2021 umgerechnet 662 Millionen Euro aus dem Ausland.

Hindu-Hardliner werden einflussreicher

In Indien werden Hindu-Hardliner-Organisationen immer einflussreicher. Die Regierung von Premier Narendra Modi hatte zuvor schon anderen Hilfsorganisationen die Bewilligung entzogen, ausländisches Geld zu erhalten. Im vergangenen Jahr stellte Amnesty International die Arbeit in Indien ein, nachdem die Regierung Konten der Organisation gesperrt hatte.

Seit dem Amtsantritt von Modi im Jahr 2014  beklagen Aktivisten in dem Land eine zunehmende Diskriminierung von Angehörigen religiöser Minderheiten. Die US-Kommission für Religionsfreiheit stufte die Lage in Indien mit Blick auf die Religionsfreiheit im vergangenen Jahr erstmals als »besorgniserregend« ein.

hba/dpa/AFP