Indische und chinesische Soldaten Mehr als 20 Tote bei Konfrontation im Himalaja

Der Grenzstreit zwischen China und Indien im Himalaja flammt neu auf. Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen indischen und chinesischen Truppen hat es auf beiden Seiten Todesopfer gegeben.
Umstrittene Grenzregion Ladakh (2011): "Schwere körperliche Auseinandersetzung"

Umstrittene Grenzregion Ladakh (2011): "Schwere körperliche Auseinandersetzung"

Foto: Channi Anand/ AP

Vor mehr als 50 Jahren führten China und Indien einen kurzen Krieg um ihre Grenzen im Himalaja. Nun bricht der Konflikt erneut auf: Bei einer "gewaltsamen Auseinandersetzung" zwischen chinesischen und indischen Soldaten hat es nach Angaben der indischen Armee Tote auf beiden Seiten gegeben. Der Vorfall ereignete sich bereits am Montagabend an einem umstrittenen Grenzabschnitt in der nordwestindischen Region Ladakh.

Auf indischer Seite wurden mindestens 20 Soldaten getötet. Zunächst war von drei Opfern die Rede. Auch auf chinesischer Seite gab es laut dem Chefredakteur der staatlichen chinesischen Zeitung "Global Times" Opfer. Es sollen die ersten Toten seit Jahrzehnten an der umstrittenen Grenze der beiden großen Nachbarländer sein. Beide Außenministerien warfen einander die Schuld an der Auseinandersetzung vor.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, sagte vor Journalisten in Peking, indische Truppen hätten am Montag zwei Mal die Grenze übertreten und chinesische Soldaten "provoziert und angegriffen". Daraufhin sei es zu einer "schweren körperlichen Auseinandersetzung" gekommen.

China und Indien hatten 1962 Krieg um ihre 3500 Kilometer lange Grenze geführt, den China gewann. Seither gibt es immer wieder Zwischenfälle. Der Grenzverlauf ist nach wie vor nicht geklärt. Peking beansprucht etwa 90.000 Quadratkilometer eines Gebiets, das sich unter der Kontrolle Neu-Delhis befindet.

Noch am Dienstag trafen sich ranghohe Militärvertreter der zwei Staaten, um die Situation zu entschärfen, hieß es aus Indien. Das Land setze weiter auf Dialog.

Seit Jahren nehmen Spannungen in der Region zu

Seit Jahren nehmen die Spannungen in der Grenzregion zu: 2017 war es in der Nähe von Ladakh zu einer Schlägerei zwischen chinesischen und indischen Soldaten gekommen. Im selben Jahr standen sich Soldaten beider Länder in Bhutans Doklam-Region gegenüber, nachdem die indische Armee Truppen entsandt hatte, um China am Bau einer Straße zu hindern.

Im Mai wurden mehrere indische und chinesische Soldaten bei einem Zusammenstoß durch Faustschläge und Steinwürfe im indischen Bundesstaat Sikkim verletzt. Daraufhin überschritten nach indischen Angaben chinesische Soldaten die Demarkationslinie in der weiter westlich gelegenen Region Ladakh.

Als Reaktion verlegten beide Seiten Tausende Soldaten an die Grenze. Zuletzt hatten sich deshalb schon ranghohe Militärs beider Seiten getroffen. US-Präsident Donald Trump bot kürzlich an, in dem Konflikt zu vermitteln, was die Nachbarländer aber ablehnten.

asc/mst/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.