Massenpanik mit vielen Toten in Indonesien Expertenteam soll Stadionkatastrophe untersuchen

Es ist eine der schlimmsten Katastrophen in einem Stadion: Mindestens 125 Menschen sind bei einer Massenpanik in Malang ums Leben gekommen. Experten sollen jetzt die Hintergründe aufklären, die Regierung erwartet rasche Ergebnisse.
Ein Paar Turnschuhe auf der Tribüne des Kanjuruhan-Stadions, wo nach Ausschreitungen mindestens 125 Menschen starben

Ein Paar Turnschuhe auf der Tribüne des Kanjuruhan-Stadions, wo nach Ausschreitungen mindestens 125 Menschen starben

Foto: Hendra Permana / dpa

Indonesien hat nach der tödlichen Massenpanik in einem Fußballstadion ein unabhängiges Expertenteam eingesetzt, das die Hintergründe klären soll. Dies wurde am Montag nach einer Sondersitzung der Regierung mit hochrangigen Sicherheitsbeamten bekannt.

Die Tragödie mit mindestens 125 Toten in der Stadt Malang ist eine der schlimmsten Stadion-Katastrophen in der Geschichte des Fußballs. Das »Joint Independent Fact Finding Team« werde aus Regierungsbeamten, Vertretern des Fußballverbandes, Experten, Akademikern und Journalisten bestehen, sagte Sicherheitsminister Mohammad Mahfud.

»Es wird erwartet, dass das Team seine Arbeit in zwei oder drei Wochen abgeschlossen hat«, sagte Mahfud. Die Regierung habe zudem die Nationalpolizei angewiesen, »in den nächsten Tagen« gegen Personen zu ermitteln, die für die Tragödie verantwortlich sein könnten.

Spieler und Funktionäre des Arema FC beten vor dem Kanjuruhan-Stadion in Malang

Spieler und Funktionäre des Arema FC beten vor dem Kanjuruhan-Stadion in Malang

Foto: Willy Kurniawan / REUTERS

Nach dem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC in der Stadt Malang in der Provinz Ost-Java war es am Samstagabend zu Ausschreitungen gekommen. Im Anschluss an die 2:3 Heimniederlage von Arema hatten etwa 3000 Zuschauer den Platz des Kanjuruhan-Stadions gestürmt. Die Polizei setzte Tränengas ein. Es kam zu einer Massenpanik, für viele gab es kein Entkommen.

Zu Tode getrampelt

Zahlreiche Opfer sollen an Sauerstoffmangel gestorben sein, andere wurden offenbar zu Tode getrampelt. Auch zwei Polizisten sind unter den Toten. Mehr als 300 Menschen wurden den Behörden zufolge verletzt, einige schwer. Es ist eine der schlimmsten Stadion-Katastrophen in der Geschichte des Fußballs.

DER SPIEGEL

Menschenrechtler forderten eingehende Ermittlungen. Es müssten sowohl die Polizeikommandeure als auch einfache Beamte zur Rechenschaft gezogen werden, die beschlossen hätten, »erhebliche und übermäßige Mengen an Tränengas abzufeuern«, sagte Phil Robertson, stellvertretender Asien-Direktor der Organisation »Human Rights Watch«. »Die FIFA-eigenen Regeln verbieten die Verwendung von ›Massenkontrollgas‹ in Stadien«, betonte er.

Im fußballverrückten Indonesien soll im kommenden Jahr die Fifa U20-Weltmeisterschaft ausgetragen werden. Zudem hat sich der Inselstaat für die Asien-Fußballmeisterschaft 2023 beworben.

mas/dpa/AFP
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