Nach verheerendem Erdbeben in Indonesien Retter haben Probleme bei Versorgung von Überlebenden

Nach dem Erdbeben auf der indonesischen Insel Java wird die Aussicht, Überlebende zu finden, immer kleiner. Rettungskräfte haben Schwierigkeiten, die vielen Geretteten in Notunterkünften zu versorgen.
Neugeborene in einem Krankenhaus in Cianjur, West Java, einer der am schlimmsten vom Erdbeben betroffenen Städte

Neugeborene in einem Krankenhaus in Cianjur, West Java, einer der am schlimmsten vom Erdbeben betroffenen Städte

Foto: Mas Agung Wilis / NurPhoto / Getty Images
Globale Gesellschaft

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Auch vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben auf der indonesischen Insel Java geht die Suche nach Vermissten weiter. Regen und Erdrutsche erschweren den Suchtruppen die Arbeit; viele betroffene Gebiete liegen in bergigem Gelände, können nur mit Hubschraubern erreicht werden. Die Bergungsarbeiten konzentrieren sich vor allem auf das Dorf Cijedil, in dem mehr als 30 Menschen durch einen Erdrutsch begraben worden sein sollen.

Der indonesische Präsident Joko Widodo besuchte am Donnerstag in der schwer betroffenen Stadt Cianjur unter anderem Notunterkünfte und einen Kindergarten und verteilte Lebensmittel an Kinder. Er sagte bezüglich des zerklüfteten Terrains, in dem die Rettungsarbeiten stattfinden: »Die Bedingungen vor Ort sind kritisch.« Es regne weiter, außerdem sei immer noch mit Nachbeben zu rechnen. »Es ist Vorsicht geboten.«

DER SPIEGEL

Der Leiter der Katastrophenschutzbehörde sagte, vielen Menschen in der Katastrophenregion fehle der Zugang zu ausreichend Nahrungsmitteln; hunderte Freiwillige verteilen Wasser, Fertignahrung Zelte und Windeln. Die Rettungskräfte setzen Erdbagger und schweres Gerät ein, um Schlamm und Trümmer zu beseitigen, nach Opfern zu suchen.

Das Erdbeben der Stärke 5,6 hatte am Montag insbesondere in der Stadt Cianjur für Zerstörungen gesorgt. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) in der Nähe der Stadt in der Provinz West Java. Zahlreiche Menschen kamen durch einstürzende Gebäude, aber auch durch Erdrutsche ums Leben. Mindestens 271 Menschen starben. Laut der Katastrophenschutzbehörde BNPB werden noch mindestens 40 Menschen vermisst. Mehr als Tausend wurden verletzt.

Junge nach zwei Tagen lebend geborgen

Viele Gerettete sind in Zelten untergebracht, in denen es kaum medizinische Versorgung und Hilfsgüter gibt. Unter den Überlebenden hatte sich auch eine schwangere Frau befunden, die nun in einem notdürftigen medizinischen Zentrum in einem Zelt ihr Kind zur Welt brachte. Am Mittwoch war ein sechsjähriger Junge aus den Trümmern seines eingestürzten Wohnhauses geborgen worden, wo er zwei Tage überlebt hatte.

Unter den Opfern des Bebens sind offenbar auch viele Kinder. Am Mittwoch sagte der Leiter der Rettungsbehörde Basarnas, zum Zeitpunkt des Unglücks seien viele in der Schule gewesen. Laut vorläufigen Behördendaten, die »Save the Children Indonesien« zitiert , sollen 51 Bildungseinrichtungen vom Erdbeben betroffen sein.

Indonesien hat rund 270 Millionen Einwohner, von denen mehr als die Hälfte auf der dicht besiedelten Hauptinsel Java leben. Das Erdbeben fand an Land und in einer relativ geringen Tiefe von zehn Kilometern statt, was die großen Schäden erklärt.

Indonesien ist eines der am stärksten erdbebengefährdeten Länder der Welt und verzeichnet regelmäßig starke Erdbeben vor der Küste. Am 26. Dezember 2004 hatte sich vor der Küste Sumatras ein Beben der Stärke 9,1 ereignet. Der dadurch verursachte Tsunami tötete in der gesamten Region 220.000 Menschen, davon allein 170.000 in Indonesien.

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mst/Reuters/dpa
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