"Schlag ins Gesicht" Irans Staatschef Khamenei lobt Beschuss von US-Stützpunkten

Als Vergeltung für die gezielte Tötung des Generals Soleimani hat Iran US-Truppen im Irak angegriffen. Ajatollah Ali Khamenei rechtfertigt die Attacke - Berlin und London mahnen zu Ruhe.
Bezeichnet die USA als Feind: Irans Staatsoberhaupt Ali Khamenei

Bezeichnet die USA als Feind: Irans Staatsoberhaupt Ali Khamenei

Foto: Office of the Iranian Supreme Leader/ dpa

Mit scharfer Kritik an den USA hat sich Irans geistliches und staatliches Oberhaupt, Ajatollah Ali Khamenei, zu Wort gemeldet. Er bezeichnete Irans Angriffe auf zwei US-Stützpunkte im Irak als "Schlag ins Gesicht" .

Er forderte zudem die US-Truppen auf, die Region zu verlassen. Ihre Präsenz sei die Quelle von Korruption, sagte Khamenei in einem Statement. Die USA seien der Feind Irans.

DER SPIEGEL

In der Nacht hatte Teheran Raketen auf zwei Militärstützpunkte abgefeuert, die auch von US-Soldaten genutzt werden. Teheran bezeichnete die Attacke als "Akt der Selbstverteidigung" nach der Tötung des iranischen Topgenerals Qasem Soleimani durch einen US-Luftschlag.  

DER SPIEGEL

Das Pentagon bestätigte Attacken auf die Stützpunkte Ain al-Asad westlich von Bagdad und im nördlich gelegenen Erbil in der Nacht zum Mittwoch. US-Präsident Donald Trump äußerte sich zunächst nicht dazu, wie die USA darauf reagieren würden. Stattdessen schrieb er auf Twitter "Alles ist gut!" und kündigte eine Stellungnahme an. Derzeit würden mögliche Opfer und Schäden bewertet, fügte er hinzu.

Im Irak sind auf mehreren Stützpunkten rund 5000 US-Soldaten stationiert, die das internationale Militärbündnis gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" anführen.

Deutsche Soldaten unversehrt

Irans Revolutionsgarden teilten mit, der mit 35 Raketen attackierte Luftwaffenstützpunkt Ain al-Asad sei "vollständig zerstört" worden. Allerdings ist unklar, wie viel Schaden der Angriff tatsächlich verursacht hat.

Den in Erbil stationierten deutschen Bundeswehrkräften ist einem Sprecher zufolge nichts passiert. "Den Soldaten geht es gut", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam der Nachrichtenagentur dpa. Zu den weiteren Folgen der Raketenangriffe konnte der Bundeswehrsprecher keine Angaben machen. Im Zentralirak sind nach dem jüngsten Abzug keine deutschen Soldaten mehr stationiert. Im nordirakischen Kurdengebiet sind noch mehr als 100 deutsche Soldaten im Einsatz. Sie haben ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

Die Bundesregierung verurteilte den Angriff. "Ich kann nur sagen, sicherlich im Namen der Bundesregierung, dass wir diese Aggression auf das Schärfste zurückweisen", sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im ARD-"Morgenmagazin". Jetzt müsse alles getan werden, um die Lage zu beruhigen. Der Appell richte sich insbesondere an die Regierung in Teheran.

Kramp-Karrenbauer sprach auch davon, einen Teilabzug der im Nordirak stationierten Bundeswehrsoldaten prüfen zu wollen. Aus dem Zentralirak hatte die Bundeswehr ihre Soldaten bereits am Montag ausgeflogen. "Wir haben mit der internationalen Koalition sowieso vereinbart, dass alle Kräfte, die nicht benötigt werden, keinem unnötigen Risiko ausgesetzt werden", sagte sie.

Auch Großbritannien verurteilte den iranischen Angriff auf Militärstützpunkte im Irak. "Wir rufen Iran dringend auf, solche rücksichtslosen und gefährlichen Angriffe nicht zu wiederholen", sagt Außenminister Dominic Raab. Stattdessen dringe Großbritannien auf Deeskalation.

mho/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.