Autonome Kurdenregion im Irak Neun Menschen sterben nach iranischen Angriffen

Während der Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini hat Iran erneut die Kurdenregion im Nachbarland Irak angegriffen. Neun Menschen starben, 28 weitere wurden verletzt. Die Kritik am iranischen Vorgehen wird lauter.
Inspektion nach iranischen Angriffen auf die Kurdenregion im Irak

Inspektion nach iranischen Angriffen auf die Kurdenregion im Irak

Foto: GAILAN HAJI / EPA

Der Konflikt um dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Iran hat sich bis in den Irak ausgeweitet. Während die Demonstrationen im In- und Ausland seit fast zwei Wochen andauern, hat das Nachbarland mindestens neun Tote durch iranische Angriffe in der autonomen Kurdenregion gemeldet. Bei Angriffen mit Drohnen und Raketen wurden demnach 28 weitere Menschen verletzt.

In Teheran meldete das iranische Staatsfernsehen, dass »die Bodentruppen der Revolutionsgarden mit Präzisionsraketen und (...) Drohnen mehrere Hauptquartiere separatistischer Terroristen im Nordirak ins Visier genommen« hätten. Unter den Toten seien auch Zivilisten, sagte dagegen ein hochrangiger Beamter in der Kurdenregion der Nachrichtenagentur AFP.

Es ist nicht der erste Angriff des Iran auf die Kurdenregion im Irak. Bereits am Samstag griffen die iranischen Streitkräfte nach eigenen Angaben Stützpunkte kurdischer Separatistengruppen an. Die Attacken der Revolutionsgarden wurden als »legitime Reaktion« auf vorherige Angriffe kurdischer Gruppen auf iranische Militärbasen im Grenzgebiet gerechtfertigt, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtet.

»Diese feigen Angriffe finden zu einer Zeit statt, in der es dem iranischen Terrorregime nicht gelingt, gegen die anhaltenden Proteste (...) vorzugehen und den zivilen Widerstand des kurdischen und iranischen Volkes niederzuschlagen«, schrieb die Demokratische Partei Kurdistans auf Twitter.

Sie bezog sich damit auf die anhaltenden Proteste in Iran wegen des Todes der Kurdin Mahsa Amini. Sie war in Teheran von der Sittenpolizei festgenommen worden, offenbar weil sie das islamische Kopftuch nicht den Regeln entsprechend trug. Nach Angaben von Aktivisten soll sie von der Polizei geschlagen und deshalb gestorben sein.

Die Bundesregierung verurteilte die iranischen Angriffe. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, die Eskalation sei »nicht akzeptabel«. Deutschland sehe die Angriffe Irans auf die Region Kurdistan-Irak mit großer Sorge. »Wir fordern von Iran, die territoriale Integrität Iraks zu respektieren und die Angriffe sofort einzustellen.«

Irak bestellt Botschafter ein

Das Außenministerium in Bagdad kündigte an, den iranischen Botschafter einzubestellen, um ihm einen »Protestbrief« zu überreichen. Großbritannien verlangte von Iran, die »willkürlichen Bombardierungen« einzustellen und nannte die Angriffe »eine Verletzung der Souveränität und der territorialen Integrität des Irak«. Der Sicherheitsberater des Weißen Hauses in Washington, Jake Sullivan, sagte, die iranische Führung zeige durch die Angriffe weiterhin »eine eklatante Missachtung« des eigenen Volkes, seiner Nachbarn »und der in der UN-Charta verankerten Grundprinzipien der Souveränität und territorialen Integrität«.

Iranische kurdische Exilgruppen im Nordirak unterstützen die seit dem Tod Mahsa Aminis anhaltenden Proteste in Iran und prangern die Gewalt gegen Demonstranten an. Bei der gewaltsamen Niederschlagung der tagelangen landesweiten Proteste in Iran durch die iranische Regierung sind laut Aktivisten bislang mindestens 76 Menschen gestorben.

dam/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.