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Acht Milliarden – Der Auslands-Podcast Der Zorn der iranischen Frauen

Seit die 22-jährige Mahsa Amini in Polizeigewahrsam starb, protestieren Frauen in Iran und auf der ganzen Welt. Dabei geht es aber um viel mehr als nur die Umstände ihres Todes.
Ein Podcast von Olaf Heuser und Susanne Koelbl

»Tod für Khamenei!«, rufen die Frauen. »Tod dem Unterdrücker – egal ob Schah oder Oberster Führer!« Und auch »Beendet die Islamische Revolution!«

Es ist schon bemerkenswert, in Iran den Tod des »Obersten Führers«, des Ayatollahs Ali Khamenei zu fordern und ihn mit dem nach wie vor verhassten Schah Reza Pahlavi gleichzusetzen, der 1979 vor der Islamischen Revolution in die USA floh. Aber diese Revolution zu verdammen, die seit jenen Tagen Leben, Recht und religiösen Alltag des Staates Iran bestimmt, ist mehr als bemerkenswert. Insbesondere, da diese Forderung von Frauen geäußert, geschrieben, gebrüllt wird.

Aber genau darum geht es bei den Protesten, die sich am Tod der 22-jährigen Mahsa Amini entzündeten. Denn Amini starb im Gewahrsam der Sittenpolizei, deren Aufgabe es ist, die korrekte weibliche Kleidung im öffentlichen Raum zu überwachen. Korrekt bedeutet dabei: Ein Hidschāb, also ein persisches Kopftuch, das Kopf und Haare der Frau vollständig verschleiert, und ein Gewand, das durch seinen weiten Schnitt die Körperformen verbirgt und bis weit auf die Beine herunterreicht. Angeblich war Mahsa Amini nicht korrekt gekleidet und wurde festgenommen.

»Und wer in diese Zentren der Religionspolizei oder Sittenpolizei kommt, der ist rechtlos«, erzählt SPIEGEL-Auslandsreporterin Susanne Koelbl im Podcast. »Man ist in den Fängen von Sicherheitskräften, die Gewalt anwenden, und zwar körperlich wie verbal. Und man hat keinerlei Schutz mehr. Und dieses Gefühl trennt die Frauen von einem Staat, von dem sie früher durchaus die Hoffnung gehabt haben, dass das der bessere Staat ist als der Staat von Schah Reza Pahlevi.«

Jetzt entledigen sich iranische Frauen ihrer Kopftücher, verbrennen sie öffentlich und schneiden sich die Haare ab. Frauen auf der ganzen Welt tun es ihnen gleich, um Solidarität zu zeigen. Der Hidschāb wird so zum Symbol fehlender Menschenrechte für Frauen; der Protest richtet sich gegen die Willkür der Religionswächter, nicht gegen die Kleidungsvorschriften an sich.

»Es betrifft ein Schicksal, mit dem sich jede Frau in Iran identifizieren kann«, erklärt Susanne Koelbl die Proteste. »Diese Frauen können sich nicht scheiden lassen, wenn der Mann nicht zustimmt. Diese Frauen können das Land nicht verlassen, wenn der Mann nicht zustimmt. Wenn es Konflikte gibt, dann ziehen Frauen immer den Kürzeren. Es ist die Summe dieser Erniedrigungen, die Summe dieser Ungerechtigkeiten, die jetzt sich auf der Straße entlädt.«

Können die Proteste Erfolg haben und die Situation der Frauen in Iran verbessern? Was sagt der Fall Amini über die iranische Gesellschaft aus? Und welche Rolle spielt die internationale Gemeinschaft für den inneren Konflikt des Landes? Darüber spricht Susanne Koelbl in dieser Episode des SPIEGEL-Auslandspodcasts »Acht Milliarden«.

Die aktuelle Folge hören Sie hier:

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