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Eine Iranerin berichtet über den Aufruhr in Teheran Das Chaos in meinem Land

Als die Nachricht von der Tötung des Generals Qasem Soleimani kam, saß ich allein vor meinem Rechner und zitterte vor Angst: Wird es jetzt wieder Krieg geben?
aus DER SPIEGEL 4/2020
Trauernde vor der Teheraner Amir-Kabir-Universität nach dem Flugzeugunglück

Trauernde vor der Teheraner Amir-Kabir-Universität nach dem Flugzeugunglück

Foto: ABEDIN TAHERKENAREH/ EPA-EFE/ REX

Die Autorin lebt in Irans Hauptstadt, zu ihrem Schutz erscheint dieser Text anonym.

Noch vor wenigen Tagen war mir die Schlafenszeit die liebste Zeit des Tages. Der Moment, in dem ich mir befahl, den Strom der Nachrichten abzuschalten, um Ruhe zu haben. Um die Fülle von Schreckensmeldungen auszublenden, die Prahlereien des Militärs, die Propagandaslogans der Regierung und aller sich an endlosen Debatten beteiligenden Stimmen. Dann nahm ich ein Buch zur Hand, eine Erzählung, ohne Bezug zur instabilen Außenwelt. Irgendwann schlief ich ein in der Hoffnung, dass die Welt am nächsten Morgen einen Hauch menschlicher sein möge.

Aber seit einigen Nächten bereitet mir Schlaf keinen Genuss mehr. Er macht mir Angst. Schlafen heißt jetzt, in einem endlosen Albtraum zu leben. In einem Albtraum durchlebst und verarbeitest du normalerweise das, was du tagsüber gehört hast. Wenn du dieser Tage aufwachst, geht der Albtraum einfach weiter, den dir dein Computer mit "neuesten Nachrichten" beschert.

Am Freitag, dem 3. Januar, kam die Nachricht von der Tötung des Generals Qasem Soleimani, am Bagdader Flughafen, angeordnet von US-Präsident Trump. Ich saß allein vor meinem Rechner und zitterte vor Angst: Würde es jetzt wieder Krieg geben in meinem Land?

Im November hatte die drastische Erhöhung des Benzinpreises landesweit Proteste ausgelöst, bei denen binnen weniger Tage mehrere Hundert Menschen durch Schüsse zu Tode kamen. Tausende Demonstrierende wurden festgenommen und sind bis heute in Haft. Die Trauer und das Entsetzen über die hemmungslose Gewalt der Regierung, die auch vor Mord nicht haltmacht, saßen uns noch in den Knochen – da warf schon der Schrecken eines Krieges gegen die USA seine Schatten.

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