Iranisch-türkische Grenze Geflüchtete Mutter aus Afghanistan stirbt in Schneesturm

Um die Hände ihrer Kinder vor der Kälte zu schützen, hatte die Mutter ihnen ihre eigenen Socken übergezogen: An der iranischen Grenze ist eine Afghanin erfroren. Sie hatte versucht, in die Türkei zu fliehen.
Türkische Grenzprovinz Van: Im Winter ist die Flüchtlingsroute aus Iran besonders gefährlich

Türkische Grenzprovinz Van: Im Winter ist die Flüchtlingsroute aus Iran besonders gefährlich

Foto: Anadolu Agency / Anadolu / Getty Images

Die Machtübernahme der Taliban hat in Afghanistan eine Fluchtwelle ausgelöst. Viele Geflüchtete versuchen über Iran in die Türkei zu gelangen – eine Route, die vor allem im Winter gefährlich ist und auf der immer wieder Menschen sterben. Ein besonders dramatischer Fall sorgt nun in der Türkei für Schlagzeilen.

Wie türkische Medien übereinstimmend berichten, ist eine junge Afghanin am 1. Januar nahe der türkischen Grenze erfroren. Die Frau und ihre zwei Kinder (acht und neun Jahre alt) sind demnach bei dem Versuch, in die Türkei zu gelangen, in einen Schneesturm geraten. Der Vorfall hat sich nahe dem iranischen Dorf Belasur ereignet.

Überlebende Kinder an iranische Soldaten übergeben

Am Samstag war die Frau von Anwohnern tot aufgefunden worden. Ihre beiden Kinder haben überlebt. Um sie vor Erfrierungen zu schützen, hatte die Mutter ihre Socken ausgezogen und über die Hände der Kinder gestülpt. Sie selbst hatte sich Plastiktüten um die nackten Füße gebunden. Die beiden Minderjährigen wurden zunächst von Anwohnern versorgt und dann in die Obhut iranischer Soldaten übergeben.

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In ersten Berichten hatte es zunächst geheißen, die Frau sei auf der türkischen Seite der Grenze gefunden worden. Diese Angaben wurden mittlerweile korrigiert. Den türkischen Behörden sei ein solcher Fall nicht gemeldet worden, hieß es in einem Tweet des Gouverneursbüros der türkischen Grenzprovinz Van. Das traurige Ereignis habe sich nicht auf türkischem Boden ereignet.

Die Türkei beherbergt eigenen Angaben zufolge rund vier Millionen Flüchtlinge aus Syrien und 300.000 aus Afghanistan, so viele wie kein anderes Land. Doch die Stimmung gegen Schutzsuchende wird zunehmend feindselig. Die Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass immer mehr Türkinnen und Türken Migrantinnen und Migranten als Belastung empfinden.

Ankara hat bereits vor Monaten damit begonnen, seine Grenze zu Iran abzuriegeln. Eine Mauer soll illegale Grenzübertritte verhindern. Das Grenzgebiet ist allerdings weitestgehend gebirgig. Vor allem im Winter ist es schwierig, das Gebiet zu kontrollieren. Gleichzeitig stellt die kalte Jahreszeit auch für Migranten ein erhöhtes Risiko dar. Bei nebligem Wetter oder bei Schneestürmen können sie sich verirren.

Im Frühling nach der Schneeschmelze werden jedes Jahr Dutzende Tote gefunden. In den vergangenen Monaten sind lokalen Medien zufolge bereits mindestens vier Menschen auf derselben Route wie die afghanische Mutter gestorben.

asc
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