Im Grenzgebiet Iran greift kurdische Stützpunkte in Nordirak an

Iranische Streitkräfte haben laut eigenen Angaben kurdische Separatistengruppen im Nachbarland attackiert. Der Regierung in Teheran zufolge ist das eine Reaktion auf Angriffe gegen Militärbasen im Grenzgebiet.
Iranische Streitkräfte bei einer Übung am 9. September nahe der Stadt Isfahan

Iranische Streitkräfte bei einer Übung am 9. September nahe der Stadt Isfahan

Foto: Iranian Army Office / ZUMA Wire / IMAGO

Die iranischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben Stützpunkte kurdischer Separatistengruppen im benachbarten Nordirak angegriffen. Die Attacken der Revolutionsgarden am Samstag wurden als »legitime Reaktion« auf vorherige Angriffe kurdischer Gruppen auf iranische Militärbasen im Grenzgebiet gerechtfertigt, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtet.

Irans Innenminister Ahmad Wahidi hatte zuvor einigen kurdischen Gruppen vorgeworfen, an den regierungskritischen Protesten der vergangenen Tage in Iran beteiligt zu sein. Angeblich soll es laut Regierung auch kurdische Waffenlieferungen an iranische Demonstranten in den Kurdengebieten gegeben haben.

Auslöser der regierungskritischen Proteste in Iran war der Tod der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini im Polizeigewahrsam letzte Woche. Da Amini kurdische Wurzeln hatte und mit ihrer Familie in der Provinz Kurdistan lebte, gab es besonders in etlichen kurdischen Städten heftige Proteste sowie Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Das iranische Innenministerium hat mehrmals Spekulationen über Polizeigewalt im Fall Amini zurückgewiesen und behauptet, dass die junge Frau auf der Polizeiwache an einem Herzversagen gestorben sei. Diese Version aber konnte die Kritiker bislang nicht überzeugen. Ihrer Ansicht nach wurde Amini nach ihrer Verhaftung durch die Sittenpolizei auf den Kopf geschlagen und sie ist an einer Hirnblutung gestorben.

Die junge Frau war verhaftet worden, weil sie ihr Kopftuch nicht den strengen Vorschriften entsprechend getragen hatte und ein paar Haarsträhnen zu sehen waren.

Der iranische Journalistenverband forderte die sofortige Freilassung mehrerer einheimischer Reporter, die wegen der Berichterstattung über die regierungskritischen Proteste in Haft sitzen. Mindestens neun Reporter seien entweder inhaftiert oder müssten sich demnächst bei den Behörden melden. Dies sei in höchstem Maße schädlich für das Ansehen aller iranischer Medien, kritisierte der Journalistenverband laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Ilna.

ktz/dpa
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