US-Basen im Irak Was über Irans Raketenangriffe bekannt ist

Wie wirkt sich die Attacke im Norden des Irak auf die dort stationierten Bundeswehrsoldaten aus? Und wie reagiert Donald Trump? Der schnelle Überblick.
Protest in Bagdad gegen iranische Angriffe: Irak ist Schauplatz der Konfrontation mit den USA

Protest in Bagdad gegen iranische Angriffe: Irak ist Schauplatz der Konfrontation mit den USA

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Khalid Mohammed/ AP

Was ist zuletzt passiert?

Iran hat in der Nacht auf Mittwoch mit Dutzenden Raketen zwei Militärstützpunkte im Irak angegriffen, die auch von US-Truppen genutzt werden. Die Luftwaffenbasis Ain al-Asad westlich von Bagdad wurde nach iranischen Angaben "vollständig zerstört", der tatsächliche Schaden ist jedoch noch unklar. Im nordirakischen Arbil wurde ein Stützpunkt attackiert, auf dem sich auch Soldaten der deutschen Bundeswehr aufhielten. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte im ARD-"Morgenmagazin", dass keiner von ihnen zu Schaden kam.

Wie begründet Iran die Angriffe?

Die Regierung in Teheran bezeichnete den Angriff als "verhältnismäßigen" und rechtmäßigen "Akt der Selbstverteidigung". Demnach handelt es sich um eine direkte Reaktion auf die Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani durch einen US-Luftschlag am 3. Januar. Staatschef Ajatollah Ali Khamenei sprach von einem "Schlag ins Gesicht" der USA.

Wie überraschend ist das Vorgehen?

Es war zu erwarten, dass Iran die Tötung Soleimanis  nicht unbeantwortet lässt. Der iranische Sicherheitsrat hatte dazu nach eigenen Angaben "13 Racheszenarien" entworfen, von denen "selbst die schwächste Option ein historischer Albtraum für die USA" sein sollte. Ob die Raketenangriffe in der Nacht auf Mittwoch eins dieser Szenarien waren, ist unklar. Sollten die USA darauf ihrerseits mit einem Gegenschlag reagieren, werde man "verhältnismäßig" antworten, sagte Irans Verteidigungsminister Amir Hatami im Staatsfernsehen.

Wie hat US-Präsident Donald Trump reagiert?

"Alles ist gut!", schrieb Trump, der den tödlichen Luftangriff auf Soleimani angeordnet hatte, zunächst auf Twitter. Mögliche Opfer und Schäden würden überprüft. Der US-Präsident kündigte ein Statement für Mittwochmorgen (Ortszeit) Zeit an. Bislang ist unklar, ob US-Soldaten getötet oder verletzt wurden.

Die wichtigsten Reaktionen:

  • Iraks Regierungschef Adil Abd Al-Mahdi sagte, seine Streitkräfte seien vorab durch Iran von den Raketenangriffen informiert worden. Demnach wusste das irakische Militär kurz vor Mitternacht, dass die Attacke bald beginnen und sich auf Positionen mit US-Präsenz beschränken werde. Zeitgleich hätten sich auch die US-Amerikaner gemeldet, sagte Mahdi. Allerdings warnte er auch vor einer gefährlichen Krise, die zu einem "zerstörerischen umfassenden Krieg" im Irak, in der Region und in der Welt führen könne.

  • Die kurdische Führung im Nordirak äußerte sich besorgt. Ihre Region dürfe nicht in Rivalitäten hineingezogen werden, hieß es in einer Stellungnahme.

Alarmiert: Kurdische Peschmerga-Kämpfer in Arbil

Alarmiert: Kurdische Peschmerga-Kämpfer in Arbil

Foto: GAILAN HAJI/EPA-EFE/REX
  • Die deutsche Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer wies die iranischen Angriffe "auf das Schärfste" zurück. Es sei nun "vor allem an den Iranern, keine zusätzliche Eskalation zu betreiben, deswegen geht der Appell insbesondere noch einmal nach Teheran", sagte die Ministerin in der ARD. Es gebe Planungen für einen Teilabzug der Bundeswehrkräfte aus dem Nordirak.

  • Das Auswärtige Amt verschärfte am Mittwoch seine Reisewarnung für den Irak: "Meiden Sie derzeit zentrale Infrastruktur. US-Einrichtungen sind besonders gefährdet."

  • Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell bezeichnete den iranischen Vergeltungsangriff als "weiteres Beispiel der Eskalation und wachsender Konfrontation". Er habe den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif zu Gesprächen nach Brüssel eingeladen.

  • Anders sieht das Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn: "Es scheint ja, wie wenn es eine dosierte Antwort des Irans gewesen wäre. Die Amerikaner haben auch nicht direkt zurückgeschlagen", sagte er dem Deutschlandfunk. Vielleicht habe Iran tatsächlich nicht Soldaten treffen, sondern zeigen wollen, "dass sie natürlich imstande sind, amerikanische Basen anzugreifen". Das könne "ein Zeichen der Entspannung sein", sagte Asselborn.

  • Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu nutzte die Gelegenheit zu einer Warnung: Sollte Iran versuchen, sein Land anzugreifen, werde die Antwort gewaltig sein. Das iranische Militär hatte zuvor auch mit Attacken auf Israel gedroht, wenn es seitens der USA zu Vergeltungsaktionen kommen sollte.

mes/Reuters/dpa
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