Konflikt mit Teheran Iran kann offenbar binnen sechs Monaten zur Atombombe kommen

Iran könnte nach Einschätzung Israels innerhalb eines halben Jahres in den Besitz einer Atomwaffe gelangen. Führende israelische Politiker sehen in der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Land dennoch Vorteile.
Uranzentrifuge im iranischen Natans

Uranzentrifuge im iranischen Natans

Foto: HO/ AFP

Nach dem Austritt Irans aus dem internationalen Atomabkommen rückt nach Ansicht der israelischen Regierung der Zeitpunkt näher, zu dem Teheran erstmals in den Besitz einer Nuklearwaffe kommen könnte. Israels Energieminister Juval Steinitz sagte dem Sender Kan, Iran brauche nach derzeitiger Einschätzung sechs Monate, um genug waffenfähiges Uran für den Bau einer einzelnen Atombombe zu produzieren. Steinitz geht zudem davon aus, dass Iran ein bis zwei Jahre bräuchte, um ein Nuklearwaffenarsenal herzustellen.

Zuvor hatte US-Außenminister Anthony Blinken die sogenannte Breakout-Zeit Irans sogar nur auf drei bis vier Monate geschätzt. Vor der Aufkündigung des internationalen Atomabkommens mit Teheran sei es noch ein Jahr gewesen. Die Regierung des neuen US-Präsidenten Joe Biden hat Bereitschaft signalisiert, zu dem von Amtsvorgänger Donald Trump 2018 aufgekündigten Abkommen mit Teheran zurückzukehren.

Israel sträubt sich gegen Rückkehr zum Atomabkommen

In Israel sieht man dafür hingegen keine Notwendigkeit. Der Austritt der USA aus dem Atomabkommen habe Iran sehr geschwächt, sagte Energieminister Steinitz. Die von den USA verhängten Sanktionen hätten dem iranischen Atomprogramm schwer geschadet.

Der Minister stellte sich hinter Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu, der als Gegner des Abkommens gilt. »Dank Netanyahu hat Iran bis heute keine Atomwaffen«, sagte Steinitz.

Auch Israels Generalstabschef Aviv Kochavi hatte vergangene Woche eine Rückkehr der USA zum Abkommen als »schlecht« bezeichnet. Er habe die Armee angewiesen, Einsatzpläne gegen Iran zu überarbeiten. Israels Führung hat mehrfach indirekt mit einem Angriff auf die iranischen Atomanlagen gedroht.

Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie offiziell bestätigt. Nach Einschätzung des internationalen Friedensforschungsinstituts Sipri besaß das Land im vergangenen Jahr jedoch 90 Atomsprengköpfe. Das Land ist unter anderem im Besitz von U-Booten, die in der Lage sind, die Nuklearwaffen abzufeuern.

Erhöhte Urananreicherung bereits im Gange

US-Außenminister Blinken hatte eine Rückkehr zu der Vereinbarung in Aussicht gestellt, falls Teheran sich wieder an alle Bedingungen des Abkommens halte. Irans Präsident Hassan Rohani wiederum forderte die USA auf, den ersten Schritt zu machen, weil Washington das Abkommen zuerst verlassen hatte.

Für den Bau einer Atombombe werden etwa 25 Kilogramm waffenfähiges Uran benötigt, das auf 90 Prozent angereichert sein muss. Iran hatte zu Jahresbeginn mit der Anreicherung von Uran auf 20 Prozent begonnen.

fek/dpa/Reuters
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