Proteste wegen Mahsa Aminis Tod Mindestens 19 Tote bei Ausschreitungen im Südosten Irans

Es ist die wohl schlimmste Konfrontation seit Beginn der Proteste: Aus dem Südosten Irans werden 19 Tote und 20 Verletzte gemeldet. Unter den Toten sollen drei Mitglieder der Revolutionsgarden sein.
Eine verschleierte Frau auf dem Weg zum Freitagsgebet: Das Internet in Iran ist massiv eingeschränkt, aktuelle Bilder der Proteste dringen kaum nach außen

Eine verschleierte Frau auf dem Weg zum Freitagsgebet: Das Internet in Iran ist massiv eingeschränkt, aktuelle Bilder der Proteste dringen kaum nach außen

Foto: Abedin Tanerkehareh / EPA

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Polizisten sind im Südosten Irans mindestens 19 Menschen getötet und 20 verwundet worden. Unter den Toten sind auch drei hochrangige Mitglieder der Revolutionsgarden, darunter der lokale Geheimdienstchef. Das meldet die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA. Die iranischen Revolutionsgarden sind ein mächtiger militärischer Arm Teherans, der für den Machterhalt des Regimes gegründet wurde.

Auslöser der landesweiten Proteste ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Die Sittenpolizei hatte die junge Frau wegen angeblicher Verstöße gegen die Kleidungsvorschriften festgenommen. Amini fiel im Polizeigewahrsam ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus.

Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück. Seit dem Tod der jungen Frau demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung und der Sicherheitskräfte sowie das islamische System (eine Analyse dazu lesen Sie hier ).

Die Staatsagentur IRNA meldet, »Terror- und Separatistengruppen« hätten nach dem Freitagsgebet in Sahedan eine Polizeiwache angegriffen und öffentliches Eigentum in Brand gesetzt, darunter Banken, Geschäfte und Behörden. Zwei »Terroristen« seien erschossen worden, mehrere verhaftet. Es gebe aber keinen Zusammenhang zu den anhaltenden Protesten. In den sozialen Medien sehen das viele anders.

Die Informationen lassen sich derzeit nicht überprüfen. Die Lage in Iran ist unübersichtlich: Das Internet ist massiv eingeschränkt, mobile Internetdienste sind weitgehend abgeschaltet, Instagram und WhatsApp funktionieren praktisch nicht mehr.

»Voice of America«, der staatlich finanzierte Auslandsrundfunk der USA, veröffentlichte mehrere von Zuschauern eingesandte Videos , die Szenen der Konfrontation in Sahedan zeigen sollen. Auf einem Video, das aus dem Inneren einer Moschee gefilmt worden sein soll, ist zu sehen, wie Gläubige weglaufen, während draußen offenbar Schüsse zu hören sind. Andere Clips, die offenbar aus den umliegenden Straßen stammen, zeigen einen Mann, der rennt und einen Stein wirft, ein brennendes Polizeifahrzeug, in der Ferne sind Schüsse zu hören.

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Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International  hat die iranische Führung schon am 21. September die Kommandeure in allen Provinzen angewiesen, mit aller Härte gegen Demonstrierende vorzugehen. Amnesty liegt nach eigenen Angaben ein Dokument vor, in dem steht, dass scharfe Munition gegen »Unruhestifter und Revolutionsgegner« eingesetzt werden solle. Die Eskalation der Gewalt sei eine bewusste Strategie der iranischen Führung, so Amnesty. Laut Amnesty sind seit Beginn der Proteste mindestens 52 Frauen, Männer und Kinder aufgrund des Handelns der Sicherheitskräfte gestorben.

Mehrere Ausländer festgenommen

Bereits am Freitagabend meldeten iranische Behörden, im Kontext der Proteste seien neun Ausländer festgenommen worden. Unter ihnen sei auch ein Deutscher. Die anderen Festgenommenen kommen demnach aus Frankreich, den Niederlanden, Italien, Polen und Schweden. Sie sollen entweder direkt an den systemkritischen Protesten teilgenommen oder im Hintergrund agiert haben.

vet/dpa/AP
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