Spekulationen über Zielhafen Iran offenbar mit Kriegsschiffen im Atlantik unterwegs

Fern der Heimat testet Iran offenbar den Einsatz von zwei Marineschiffen. Ihr Ziel könnte Venezuela sein. Die USA beobachten das Manöver mit Sorge – und wollen ein Anlegen der Schiffe verhindern.
Zerstörer »Sahand« im Persischen Golf (Archivbild)

Zerstörer »Sahand« im Persischen Golf (Archivbild)

Foto: AP

Irans Marine ist nach eigenen Angaben mit zwei Kriegschiffen im Atlantischen Ozean unterwegs. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, befinden sich die Zerstörer »Sahand« und das Unterstützerschiff »Makran« bereits im Atlantik. Welches Ziel die beiden Schiffe haben, ist demnach bislang unbekannt.

Laut AP waren die Schiffe im vergangenen Monat vom iranischen Bandar Abbas gestartet. Irans stellvertretender Militärchef Habibollah Sayyari sagte demnach, der Einsatz sei der längste und herausforderndste in der Geschichte des Landes. Iran hatte 2014 erstmalig zwei Schiffe in den Atlantik gesandt. Schon damals hatte Teheran ein Geheimnis aus dem genauen Ziel gemacht.

»Die Marine verbessert ihre Fähigkeiten und beweist ihr Durchhaltevermögen in unvorteilhafter See und bei ungünstigen Wetterbedingungen im Atlantik«, sagte Sayyari. Die Schiffe sollten demnach auf ihrer Reise keine Häfen anlaufen. Irans Staatsfernsehen zeigte Videoaufnahmen, die den Zerstörer »Sahand« bei rauen Bedingungen zeigt.

Unbestätigten Angaben aus US-Sicherheitskreisen zufolge könnten die Schiffe Venezuela ansteuern. Iran unterhält zu dem ebenfalls von den USA mit Sanktionen belegten Staat gute Beziehungen, in der Vergangenheit hatte Iran eigenen Angaben zufolge etwa Benzin in das isolierte Land geliefert.

Satellitenaufnahmen sollen laut AP zeigen, dass die »Makran« sieben kleinere Kampfschiffe an Bord hat. Diese werden demnach üblicherweise von den iranischen Revolutionsgarden bei Missionen in der Straße von Hormus genutzt und waren dort in der Vergangenheit auch mit US-Kriegsschiffen aneinandergeraten.

In US-Sicherheitskreisen ist man über die iranische Marineaktion offenbar besorgt. »Sollten die Schiffe geliefert werden, könnten sie den Kern einer asymmetrischen Kriegsführungseinheit innerhalb der venezolanischen Marine bilden«, zitiert AP aus einem Report des privaten United States Naval Institutes. Venezuela könnte demnach versuchen, mit den Schnellbooten Handelsschifffahrtsrouten zu bedrohen – etwa rund um den Panamakanal.

Laut dem Nachrichtenportal »Politico « üben die USA bereits jetzt im Hintergrund Druck auf Venezuela und auch auf Kuba aus, um zu verhindern, dass die iranischen Schiffe anlegen. Die Regierung von US-Präsident Joe Biden steht demnach auch mit anderen Regierungen in der Region in Kontakt und will erreichen, dass die Kriegsschiffe abgewiesen werden. Derzeit sollen sie sich etwa 1000 Meilen nordwestlich von Kapstadt aufhalten.

DER SPIEGEL

Irans Marine hatte zuletzt einen herben Verlust hinnehmen müssen. Anfang Juni war das größte Militärschiff des Landes, der 207 Meter lange Versorger »Kharg«, im Golf von Oman nach einem Brand gesunken. Die Ursache des Unglücks ist weiter unklar.

fek/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.