Nach mutmaßlicher Sabotage Iran plant Bau einer neuen Atomanlage

Die iranische Führung treibt ihr Atomprogramm voran. Geplant ist eine "größere und modernere" Anlage zur Herstellung von Zentrifugen, mit denen Uran angereichert werden kann - ein Verstoß gegen internationale Abkommen.
Irans Flagge in der Hauptstadt Teheran (Symbolbild)

Irans Flagge in der Hauptstadt Teheran (Symbolbild)

Foto: Vahid Salemi/ AP

Die iranische Atomorganisation (AEOI) bereitet nach eigenen Angaben den Bau einer neuen Anlage für die Herstellung von schnelleren Zentrifugen vor. "Nach der Sabotage in einem unserer Lager planen wir nun die Konstruktion einer moderneren und größeren Anlage für die Herstellung von schnelleren und fortgeschrittenen Zentrifugen", sagte AEOI-Chef Ali-Akbar Salehi. Die neue Anlage werde in der Nähe der Atomanlage Natans in Zentraliran gebaut, sagte Salehi der Nachrichtenagentur Isna zufolge. Mit Zentrifugen kann Uran angereichert werden.

Im Juli hatte es eine Explosion in einem Industrieschuppen in Natans gegeben. Die AEOI sprach zunächst von begrenzten Auswirkungen, räumte dann aber ein, dass die Explosion doch "beachtliche Schäden" angerichtet habe. Inzwischen ist die Rede von Sabotage, Details wurden aber nicht bekannt gegeben. "Das ist Sache des nationalen Sicherheitsrats", sagte Salehi. Zuvor hatten sich in dem Land weitere Explosionen ereignet. Unter anderem war auch die Raketenproduktionsstätte Khojir betroffen.

Schrittweise Verstöße gegen das Atomabkommen

Iran hat seit vergangenem Jahr schrittweise gegen die Auflagen des Wiener Atomabkommens von 2015 verstoßen. Im Januar hatte die Regierung bekannt gegeben, dass sie künftig auch keine Beschränkungen für die Anzahl und Modelle seiner Zentrifugen mehr beachten und so viel angereichertes Uran wie nötig lagern werde. Zuletzt meldete die Uno-Atombehörde IAEA, dass Iran inzwischen zehnmal so viel angereichertes Uran besitze wie nach dem Abkommen erlaubt.

Die USA hatten das Atomabkommen im Mai 2018 einseitig aufgekündigt und danach wieder scharfe Sanktionen gegen Teheran verhängt. Vor allem die Sanktionen gegen den Erdgas- und Ölsektor lösten eine schwere Wirtschaftskrise in der Islamischen Republik aus.

Trotz der Sanktionen hatte sich das Land aber ein Jahr lang weiter an das Atomabkommen gehalten. Die europäischen Vertragspartner - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - hatten weitgehend vergeblich versucht, den im Abkommen versprochenen Handel trotz der US-Sanktionen aufrechtzuerhalten.

bam/dpa
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