Proteste nach Tod von Mahsa Amini Irans Präsident wirft demonstrierenden Frauen »Akte des Chaos« vor

Sie schneiden sich die Haare, sie gehen demonstrieren: Seit dem Tod von Mahsa Amini protestieren Frauen in ganz Iran. Für Freitag sind Massendemos geplant. Nun fordert Präsident Raisi einen Stopp.
Eine in der Türkei lebende Iranerin protestiert vor dem iranischen Konsulat in Istanbul

Eine in der Türkei lebende Iranerin protestiert vor dem iranischen Konsulat in Istanbul

Foto: Yasin Akgul / AFP

Vor einer Woche ist Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch iranische Sittenwächter gestorben. Seither gehen Frauen in Iran auf die Straße, werfen ihre Kopftücher weg und schneiden sich symbolisch die Haare. Irans Präsident Ebrahim Raisi hat nun vor der Verbreitung von »Chaos« gewarnt.

Zwar gebe es in Iran Meinungsfreiheit, sagte Raisi am Donnerstag in New York am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen. »Aber Akte des Chaos sind inakzeptabel.« Er habe Ermittlungen zu dem Tod von Mahsa Amini angeordnet.

Die 22-Jährige wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück.

Seitdem ist es zu gewaltsamen Protesten in zahlreichen Städten gekommen. Für diesen Freitag sind Medienberichten zufolge auch Demonstrationen von Regierungsanhängern geplant.

Keine »Kraft für grundlegende Reformen«

Für den Grünen-Chef Omid Nouripour spitzt sich die Lage in Iran zu. »Die Leute wollen nicht mehr gegängelt werden und ein System aushalten, das ausschließlich auf Gängelung ausgerichtet ist«, sagte der in Teheran geborene Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Zu den Protesten sagte Nouripour, die Lage sei diesmal anders als früher. Es gebe sehr viele Stimmen aus dem Regime selbst, die kritisierten, was geschehen sei. »Es steht alles auf der Kippe« sagte Nouripour. Die Menschen im Iran hätten ihre Wünsche nach Veränderung jahrzehntelang artikuliert und keinen Glauben mehr an Reformen und Reformer. Die Demonstrantinnen und Demonstranten schrieben den Regimewechsel nicht auf ihre Fahnen. Aber sie hielten dieses Regime einfach nicht mehr aus. Er bezweifle, »dass das Regime noch die Kraft für grundlegende Reformen hat«.

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mrc/dpa/Reuters
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