Protestbewegung unterstützt Irans Regime lässt zwei Schauspielerinnen festnehmen

Die beiden Frauen hatten in der Öffentlichkeit ihr Kopftuch abgenommen: Zwei bekannte iranische Schauspielerinnen wurden deshalb in Iran in Gewahrsam genommen.
Schauspielerin Hengameh Ghasiani

Schauspielerin Hengameh Ghasiani

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hengamehghaziani / Instagram / Iran International English / twitter

Das Regime in Teheran hat erneut massiv auf die Proteste im Land reagiert. Die beiden Schauspielerinnen Hengameh Ghasiani und Katayoun Riahi wurden festgenommen.

Der Grund für die Verhaftung: Sie hatten in der Öffentlichkeit ihr Kopftuch abgenommen, wie iranische Staatsmedien berichteten. Die 52-jährige Ghasiani, eine vehemente Kritikerin des harten Vorgehens der Behörden gegen die Demonstrierenden, hatte am Samstagabend auf Instagram ein Video veröffentlicht, in dem sie ihr Kopftuch ablegt.

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»Vielleicht ist dies mein letzter Beitrag«, schrieb sie. »Was auch immer mit mir geschieht, ihr sollt wissen, dass ich bis zu meinem letzten Atemzug auf der Seite der iranischen Bevölkerung stehe.« Vergangene Woche hatte sie die iranische Staatsführung als »Kindermörder« bezeichnet und ihr vorgeworfen, mehr als 50 Kinder »ermordet« zu haben.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna wurde Ghasiani wegen Anstiftung zu und Unterstützung von »Unruhen« sowie wegen Kontakts zu oppositionellen Medien festgenommen. Riahi hatte sich ebenfalls mit der Protestbewegung solidarisiert. Im September hatte sie dem in London ansässigen TV-Sender Iran International ein Interview gegeben, bei dem sie kein Kopftuch trug.

Schauspielerin Katayoun Riahi

Schauspielerin Katayoun Riahi

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katayounriahiofficial7 / Instagram

Iran wird seit dem Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini am 16. September von Protesten erschüttert. Die 22-Jährige war von der Sittenpolizei festgenommen worden, da sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäß getragen haben soll. Sie starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Aktivisten werfen der Polizei vor, Amini misshandelt zu haben.

Grünenchef Nouripour: WM bietet große Bühne für Proteste der Iraner

Grünenchef Omid Nouripour geht davon aus, dass die iranische Fußball-Nationalmannschaft ihr Auftaktspiel bei der WM in Katar am Montag zur Solidarisierung mit den Demonstranten in ihrer Heimat nutzen wird. »Bis auf zwei Spieler äußerten sich bisher alle kritisch gegenüber dem Regime, keiner singt die Nationalhymne mit oder freut sich nach Toren«, sagte er dem »kicker«.

Das Turnier biete eine Bühne, auf der »diese Mannschaft sehr viel bewegen und sehr viel Aufmerksamkeit für die Notlage der Leute und die Proteste erzeugen kann« – ohne dass die Staatsführung in Teheran viel dagegen tun könnte. Vor diesem Hintergrund halte er auch Forderungen nach einem Turnierausschluss der iranischen Auswahl für falsch.

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»In Iran ist Fußball die Ablenkung von einer Religion, die vom Staat in allen Facetten aufgezwungen wird«, sagte Nouripour. »Die Leute protestieren auch gegen die internationale Isolation, in die das Regime das Land über Jahrzehnte geführt hat. Die Nationalmannschaft ist immer wieder ein Fenster nach draußen.«

Die Konstellation in der Gruppe B, wo Iran zum Auftakt am Montag auf EM-Finalist England und danach auf Wales und die USA trifft, ist politisch brisant. »Sie spielen eigentlich nur gegen Länder, die vom Regime zu Systemfeinden gemacht wurden«, sagte Nouripour. »Jede Geste, jeder Handshake, jede Umarmung wird ein großartiges Zeichen gegen die Politik der Regierung und für eine Weltoffenheit des Landes sein. Schon bei der WM 1998 gab es das Spiel Iran gegen die USA mit einem gemeinschaftlichen Mannschaftsfoto. Ein besseres Friedenssymbol gibt es doch nicht.«

als/dpa/AFP
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