Landesweite Proteste Iran schränkt Internet massiv ein – Zahl der Toten steigt auf acht

Auch Instagram und WhatsApp funktionieren praktisch nicht mehr: In Iran sind mobile Internetdienste weitgehend abgeschaltet. Steht eine Niederschlagung der Demonstrationen bevor?
Brennende Mülltonnen in Teheran (am 20. September)

Brennende Mülltonnen in Teheran (am 20. September)

Foto: AP

Die Lage in Iran wird nach tagelangen, landesweiten Protesten immer angespannter. Nun wurde das Internet massiv eingeschränkt. Mobile Netzwerke seien »weitgehend abgeschaltet«, berichtete die Organisation Netblocks am Mittwoch. Bei den strengsten Beschränkungen seit den Protesten im November 2019 wurde auch Instagram als eines der letzten freien sozialen Netzwerke gesperrt. WhatsApp, wie Instagram ein Teil des Meta-Konzerns, funktioniert nur noch extrem eingeschränkt. Experten befürchten, dass Polizei und Sicherheitskräfte nun die Demonstrationen niederschlagen könnten.

Auslöser der Proteste ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Sie war vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen ihres »unislamischen Outfits« festgenommen worden. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar, jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus.

Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück. Dennoch leiteten die Behörden Ermittlungen ein. Ajatollah Ali Chamenei hat der Familie Mahsa Aminis nach Angaben eines ranghohen Beraters diese Woche sein Beileid und seinen Schmerz über den Tod der jungen Frau ausgedrückt.

Angaben über Opferzahlen schwanken

Seitdem demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung. Bei den Protesten sind in den vergangenen zwei Tagen nach offiziellen Angaben mindestens vier weitere Menschen getötet worden. Nach Angaben iranischer Medien und eines örtlichen Staatsanwalts hat sich die Zahl der Getöteten damit auf acht erhöht. Darunter sollen auch ein Polizist und ein Mitglied einer regierungsnahen Miliz sein.

Die kurdische Menschenrechtsorganisation Hengaw teilte jedoch mit, zehn Demonstranten seien von iranischen Sicherheitskräften getötet worden, drei davon am Mittwoch.

Offizielle iranische Stellen bestreiten dies. Ihren Angaben zufolge haben vermutlich bewaffnete Dissidenten die Demonstranten erschossen. Die Angaben beider Seiten waren vorerst nicht unabhängig zu verifizieren.

jok/dpa
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