Faezeh Hashemi Iranische Sicherheitskräfte nehmen Tochter von Ex-Präsident Rafsanjani fest

Iranische Behörden gehen nach dem Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam hart gegen Demonstrantinnen vor. Auch Frauenrechtsaktivistin Faezeh Hashemi wurde in Gewahrsam genommen – sie kritisiert das islamische System seit Jahren.
Faezeh Hashemi (Aufnahme aus 2017)

Faezeh Hashemi (Aufnahme aus 2017)

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Vahid Salemi / AP

Die zwölfte Nacht in Folge sind in Iran Frauen auf die Straße gegangen, nachdem die 22-jährige Mahsa Amini in Polizeigewahrsam gestorben war. Die Sicherheitskräfte gegen gewaltsam gegen die Demonstrantinnen vor.

Auch Faezeh Hashemi, Tochter des einflussreichen iranischen Ex-Präsidenten Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, wurde jetzt in Gewahrsam genommen. Grund dafür ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim, dass Hashemi die Frauenproteste in der Hauptstadt Teheran unterstützt haben soll.

Hashemi wird laut Tasnim vorgeworfen, sie habe versucht, Frauen zur Teilnahme an den Protesten zu motivieren. Das wird in dem Land als Straftat eingestuft.

Die 59 Jahre alte Hashemi gehört schon seit Jahren zu den Kritikerinnen des islamischen Systems. Die ehemalige Abgeordnete und Frauensportfunktionärin steht daher auch auf einer sogenannten schwarzen Liste und wurde auch bereits mehrmals festgenommen. Hashemi war als Frauenrechtsaktivistin stets gegen den Kopftuchzwang, obwohl sie selbst eins trägt. Sie war auch Herausgeberin der Tageszeitung »San« (Frau), die jedoch wegen ihrer feministischen Ansichten 1999 schließen musste.

Mehr als 70 Tote während der Proteste

Auslöser der aktuellen Proteste ist der Tod Mahsa Aminis. Sie war von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden und am 16. September unter ungeklärten Umständen gestorben (lesen Sie hier einen Kommentar). Die Demonstranten sprechen von Polizeigewalt, die Behörden weisen dies entschieden zurück.

Bei den Protesten wurden laut Aktivisten bislang mindestens 76 Menschen getötet. Nach Angaben der in Oslo ansässigen Nichtregierungsorganisation Iran Human Rights (IHR) waren darunter auch sechs Frauen und vier Kinder.

Behörden sprachen der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars zufolge von bislang »etwa 60 Toten«. Die Polizei meldete der amtlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge zehn tote Beamte. Es war unklar, ob diese zu den 60 Toten gezählt werden. Offiziellen Angaben vom Montag zufolge sind bislang mehr als 1200 Menschen festgenommen worden. Aktivistinnen und Aktivisten sprechen von weit höheren Zahlen.

als/dpa
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