Vorwurf der »Korruption auf Erden« Iran verurteilt laut Menschenrechtsorganisationen zwei LGBT-Aktivistinnen zum Tode

Wegen angeblichen Menschenhandels sollen zwei Frauen in Iran hingerichtet werden. Internationale Beobachter vermuten jedoch, dass das drastische Urteil aus einem anderen Grund erfolgte.
Blick auf die Stadt Urmia im Nordwesten Irans (Symbolfoto)

Blick auf die Stadt Urmia im Nordwesten Irans (Symbolfoto)

Foto: Alexander Mazurkevich / iStockphoto / Getty Images

Ein Gericht im iranischen Urmia hat Todesurteile gegen zwei Frauen verhängt, die sich nach offiziellen Angaben des Menschenhandels schuldig gemacht haben sollen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete, sollen die beiden Verurteilten, Zahra Sedighi und Elham Chobdar, junge Frauen ausgebeutet haben.

Der konkrete Vorwurf lautete demnach auf »Korruption auf Erden«. Mit ihm werden laut der Nachrichtenagentur AP regelmäßig Gegner des Regimes und Vergehen gegen das islamische Wertesystem in dem Land von den Behörden verfolgt.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen haben die Todesurteile jedoch wohl einen anderen Hintergrund. Sedighi ist laut Amnesty International eine Aktivistin, die sich für die Rechte von LGBT-Personen einsetzt. Sie sitzt demnach bereits seit Monaten in Haft.

Chobdar soll sich laut einer in Norwegen angemeldeten Menschenrechtsorganisation ebenfalls für die Rechte von Homosexuellen eingesetzt haben. Sie war demnach festgenommen worden, weil sie Homosexualität unterstützt haben soll. Die beiden Frauen können die Urteile laut AP noch anfechten.

Homosexualität ist in Iran verboten. Das Land geht äußerst repressiv gegen andere sexuelle Orientierungen vor.

Nur China vollstreckt mehr Hinrichtungen

In Iran kann für Vergehen wie Mord, Vergewaltigung oder Drogenhandel die Todesstrafe verhängt werden. Das islamische Land vollstreckte allein 2021 mindestens 280 Hinrichtungen, nur in China werden weltweit noch mehr Menschen exekutiert.

Bereits im Februar waren in Iran zwei schwule Männer hingerichtet worden, nachdem sie sechs Jahre lang im Todestrakt gesessen hatten. Ein Gericht hatte sie des »erzwungenen Geschlechtsverkehrs zwischen zwei Männern« für schuldig befunden worden.

fek/AP/Reuters
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