US-Präsident über den Tod des IS-Anführers »In einem letzten Akt verzweifelter Feigheit sprengte er sich selbst in die Luft«

Joe Biden hat in einer Rede an die Nation weitere Details über den Tod des IS-Anführers Abu Ibrahim al-Haschimi al-Quraischi bekannt gegeben. Auf die Frage nach zivilen Opfern antwortete der US-Präsident nicht.
Joe Biden während seiner Rede an die Nation

Joe Biden während seiner Rede an die Nation

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SAUL LOEB / AFP

US-Präsident Joe Biden hat sich in einer Rede an die Amerikaner gewandt und Details über die Militäroperation bekannt gegeben, während der die amerikanischen Streitkräfte den Chef des »Islamischen Staates« (IS) Abu Ibrahim al-Haschimi al-Quraischi getötet haben. Dieser habe die Bedrohungen des IS weltweit koordiniert: »In einem letzten Akt verzweifelter Feigheit sprengte er sich lieber selbst in die Luft, als sich der Justiz zu stellen«, sagte Biden. Dabei habe der IS-Chef viele Mitglieder seiner Familie mit in den Tod genommen.

Das US-Militär habe alles unternommen, um die zivilen Opfer so gering wie möglich zu halten, sagte Biden. Auf die Frage, wie viele unbeteiligte Tote es gegeben hätte, antwortete Biden nicht. Er sagte aber, dass Mitglieder des IS sich aus taktischen Gründen mit Zivilisten umgeben würden.

Er selbst habe den Einsatz in der vergangenen Nacht gegen Abu Ibrahim al-Haschimi al-Quraischi angeordnet, sagte Biden. Der Einsatz habe »die Welt zu einem sichereren Ort gemacht«, sagte Biden.

Abu Ibrahim al-Haschimi al-Quraischi war am 31. Oktober 2019 nach dem Tod Abu Bakr al-Baghdadis als neuer Chef der Terrormiliz IS präsentiert worden. Über seine Identität wurde lange gerätselt. Recherchen des britischen »Guardian« von 2020 legen nahe, dass sich hinter dem Pseudonym ein Mann namens Amir Mohammed Abdul Rahman al-Mawli al-Salbi verbarg.

Er war laut Nachrichtendiensten bis zu seiner Ernennung zum IS-Führer einer der ranghöchsten Iraker. Ebenso wie Baghdadi war auch Salbi ein studierter Theologe. Er soll als IS-Ideologe 2014 die Massaker an den Jesiden im nordirakischen Sindschar und die Versklavung von deren Frauen religiös gerechtfertigt haben. Dem »Guardian« zufolge ist Salbi bereits 2004 von den US-Amerikanern in Camp Bucca inhaftiert worden. Dort habe Salbi unter anderem Baghdadi kennengelernt.

Mehrere Zivilisten bei Einsatz getötet

Laut Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei der Luftlandeoperation auch 13 Zivilisten getötet, unter ihnen auch vier Kinder. Die Militärkoalition habe zudem Ziele nördlich der Region Idlib bombardiert. Die Gefechte dauerten demnach bis in die Nacht an. Ein Aktivist in der Region sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass der IS-Anführer verdächtigt werde, Drahtzieher des schweren Anschlages auf ein Gefängnis im Nordosten Syriens zu sein. Dabei wurden in der Stadt Al-Hassaka Ende Januar mehr als 300 Menschen getötet. Der Angriff galt als der schwerste seit vielen Jahren. Beobachter befürchteten ein Wiedererstarken der Dschihadisten.

Im Bürgerkriegsland Syrien kämpft eine Militärkoalition unter Führung der USA gegen den IS. Die Terrormiliz hatte im Sommer 2014 große Gebiete im Norden des Irak in ihre Gewalt gebracht. Kurz darauf riefen die Dschihadisten ein Kalifat aus, zu dem auch Regionen im Nachbarland Syrien gehörten. Militärisch wurde die Terrormiliz im März 2019 besiegt. Sie ist jedoch weiter in beiden Ländern aktiv und verübt immer wieder Anschläge.

svs/dpa
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