Entscheidende Abstimmung vertagt Israels Acht-Parteien-Regierung wackelt mal wieder

Naftali Bennett steht seiner Koalition auf den Tag genau ein Jahr vor. Nun hat die Knesset ein Votum über Siedler in den Palästinensergebieten vertagt. Der Ausgang entscheidet über die politische Zukunft des Landes mit.
Naftali Bennett, israelischer Ministerpräsident (Mitte)

Naftali Bennett, israelischer Ministerpräsident (Mitte)

Foto: Maya Alleruzzo / dpa

Im israelischen Parlament ist eine Abstimmung vertagt worden, die eine Entscheidung über die Zukunft der Vielparteienregierung von Ministerpräsident Naftali Bennett hätte bringen können. Das Thema stehe nicht auf der Tagesordnung, sagte ein Sprecher des Parlaments am Montag in Jerusalem. Zuvor hatte Finanzminister Avigdor Lieberman für diesen Montag eine erneute Abstimmung über die weitere Anwendung von israelischem Recht auf israelische Siedler in den besetzten Palästinensergebieten angekündigt. Bennetts Regierungsbündnis ist genau ein Jahr im Amt.

Nach Medienberichten war die Acht-Parteien-Koalition nicht in der Lage, eine Mehrheit für die Abstimmung zu sichern. Die Opposition um Ex-Premiermister Benjamin Netanyahu fordert Bennetts Rücktritt. Der Parlamentssprecher sagte, das Thema komme nun frühestens am Montag nächster Woche wieder auf die Agenda. Im April hatte die Regierung ihre hauchdünne Mehrheit von 61 von 120 Sitzen verloren, weil eine Abgeordnete das Bündnis verlassen hatte. Am Montag vergangener Woche scheiterte dann eine Abstimmung über die Siedler-Regelung mit 52 zu 58 Stimmen.

Die Regelung besteht bereits seit 1967. Sie muss alle fünf Jahre verlängert werden. Falls dies jetzt nicht gelingt, läuft sie Ende des Monats aus. Israel hatte 1967 unter anderem das Westjordanland und Ostjerusalem erobert, wo heute mehr als 600.000 Siedler leben. Die Palästinenser wollen die Gebiete dagegen für einen unabhängigen Staat Palästina mit Ostjerusalem als Hauptstadt.

til/dpa

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