Shireen Abu Akleh Al-Jazeera-Reporterin durch Schüsse im Westjordanland getötet

Bei Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern im Westjordanland ist eine Reporterin von Al Jazeera erschossen worden. Zur Herkunft des Schusses gibt es widersprüchliche Angaben.
Journalisten und Sanitäter im Krankenhaus in Jenin rollen die Leiche von Shireen Abu Akleh in die Leichenhalle

Journalisten und Sanitäter im Krankenhaus in Jenin rollen die Leiche von Shireen Abu Akleh in die Leichenhalle

Foto: Majdi Mohammed / dpa

Im nördlichen Westjordanland ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern gekommen. Eine Journalistin des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera ist dabei getötet worden. Die in der arabischen Welt bekannte Reporterin des katarischen Senders sei nach einer Schussverletzung am Kopf gestorben, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Ein anderer Journalist der palästinensischen Zeitung »Al-Kuds« sei bei dem Vorfall in Jenin durch Schüsse verletzt worden. Über die Herkunft des tödlichen Schusses gibt es widersprüchliche Angaben.

Die palästinensische Seite macht israelische Soldaten verantwortlich. Die israelische Armee schrieb bei Twitter, Soldaten seien in Jenin im Einsatz gewesen, um Terrorverdächtige festzunehmen. Verdächtige hätten massiv auf die Truppen geschossen und Sprengsätze geworfen. Die Soldaten hätten zurückgeschossen, es seien Treffer identifiziert worden. »Es wird die Möglichkeit untersucht, dass Journalisten getroffen wurden, möglicherweise durch bewaffnete Palästinenser«, hieß es weiter. Der Vorfall werde geprüft.

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Ebenfalls für Al Jazeera vor Ort war auch Journalistin Nida Ibrahim. Die Umstände des Todes von Abu Akleh seien unklar, sagte sie dem Sender zufolge . »Was wir jetzt wissen, ist, dass das palästinensische Gesundheitsministerium ihren Tod bekannt gegeben hat«, sagte sie weiter. Eine Kugel habe die Reporterin in den Kopf getroffen. »Das ist ein Schock für alle Journalisten, die hier arbeiten«, wird Ibrahim weiter zitiert.

Al Jazeera wirft Israel Mord vor

Al Jazeera erhebt schwere Vorwürfe  und beschuldigt das israelische Militär des Mordes. Unter Verletzung internationalen Rechts hätten »die israelischen Besatzungstruppen unsere Korrespondentin in Palästina, Shireen Abu Akleh, heute Morgen kaltblütig gezielt mit scharfer Munition ermordet«, erklärte der Sender. Er verurteilte den Tod der Reporterin als »abscheuliches Verbrechen, dessen Ziel es war, die Medien an der Berichterstattung zu hindern«. Der Sender rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, das israelische Militär zur Verantwortung zu ziehen.

Israels Regierungschef Naftali Bennett hat die Anschuldigungen gegen die israelische Armee zurückgewiesen. »Nach den uns vorliegenden Informationen ist es wahrscheinlich, dass bewaffnete Palästinenser, die zu diesem Zeitpunkt wahllos um sich schossen, für den bedauerlichen Tod der Journalistin verantwortlich waren«, sagte Bennett. Die palästinensische Seite habe ein Angebot für eine gemeinsame Autopsie der Getöteten bisher abgelehnt.

Bei einer Terrorwelle sind seit Ende März in Israel 17 Menschen getötet worden, ein israelischer Wachmann im Westjordanland wurde außerdem von Palästinensern erschossen. Israels Armee verstärkte seit Beginn der Anschlagswelle ihre Einsätze im besetzten Westjordanland. Vor allem im Bereich der Stadt Jenin, die als Hochburg militanter Palästinenser gilt, kommt es bei solchen Militäreinsätzen immer wieder zu schweren Konfrontationen mit Einwohnern.

Reporter ohne Grenzen fordert Untersuchung

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat die tödlichen Schüsse auf eine Reporterin des Senders Al-Jazeera im Westjordanland als »offensichtlichen Bruch mit der Genfer Konvention« bezeichnet, die den Schutz der Zivilisten betrifft. Es sei zudem ein Verstoß gegen eine Uno-Resolution zum Schutz von Journalisten, schrieb der Generalsekretär der Organisation, Christophe Deloire, am Mittwoch auf Twitter.

RSF forderte »so schnell wie möglich eine internationale und unabhängige Untersuchung«, um die Umstände des Todes der 51-Jährigen zu klären. Die vom israelischen Außenminister Jair Lapid vorgeschlagene israelisch-palästinensische Untersuchung sei nicht ausreichend.

Laut Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums sind seit Ende März mehr als 20 Palästinenser getötet worden. Mehrere Palästinenser wurden bei Militäreinsätzen getötet, aber auch bei ihren eigenen Anschlägen und Zusammenstößen mit der Armee.

Israel hatte 1967 unter anderem das Westjordanland und Ostjerusalem erobert. Die Palästinenser wollen die Gebiete dagegen für einen eigenen Staat Palästina mit Ostjerusalem als Hauptstadt.

asc/dpa/Reuters/AFP
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