Nahostkonflikt Israels Armee meldet Zerstörung von rund hundert Kilometern Hamas-Tunnel

Die israelische Armee zieht nach ihren massiven Luftangriffen erste Bilanz. Demnach hat sie einen hochrangigen Kommandeur des »Islamischen Dschihad« getötet. Kanzlerin Merkel sichert Premier Netanyahu ihre Solidarität zu.
Ein palästinensischer Feuerwehrmann vor Ort nach einem israelischen Luftangriff in Gaza

Ein palästinensischer Feuerwehrmann vor Ort nach einem israelischen Luftangriff in Gaza

Foto: MOHAMMED SALEM / REUTERS

Eine Woche nach Beginn neuer blutiger Kampfhandlungen zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas hat die israelische Armee eine Reihe militärischer Erfolge vermeldet. So sollen bei den Luftangriffen im Gazastreifen bislang rund hundert Kilometer Tunnelanlagen der dort herrschenden Hamas zerstört worden sein. Auch ein hochrangiger Islamist sei gezielt durch einen Angriff in Gaza getötet worden. Militante Palästinenser reagierten mit neuen Raketenbeschüssen auf an den Gazastreifen angrenzende Gebiete.

Bei den Angriffen auf die Hamas-Tunnel seien strategisch wichtige Abschnitte des Tunnelnetzes zerstört worden, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. Die Hamas nutzt die Tunnel als Logistik- und Zufluchtsnetzwerk, um innerhalb des Gazastreifens Kämpfer, Munition und Lebensmittel zu bewegen. Teilweise sind die Tunnel für Fahrzeuge befahrbar. Conricus bezeichnete sie unlängst als »Stadt unter der Stadt«. Bereits in der Nacht zum Montag flog das israelische Militär nach eigenen Angaben Angriffe mit insgesamt 54 Kampfflugzeugen. Attackiert worden seien dabei 34 Ziele, darunter Häuser von hochrangigen Hamas-Kommandeuren.

Kommandeur des »Islamischen Dschihad« getötet

Ebenfalls am Montag tötete Israels Armee nach eigenen Angaben einen ranghohen Militärkommandeur der Palästinenserorganisation »Islamischer Dschihad«. Der Angriff galt den Angaben zufolge Hasem Abu Harbid, Leiter des nördlichen Kommandos der militanten Organisation. Er sei für mehrere Anschläge auf israelische Zivilisten und Soldaten sowie für Raketenangriffe auf Israel verantwortlich.

Medienberichten zufolge wurden bei einem anderen gezielten Luftangriff Israels auf ein Auto im Gazastreifen drei Palästinenser getötet. Ein Armeesprecher sagte, man prüfe den Bericht. Bereits am Wochenende hatte die israelische Luftwaffe ein Hochhaus im Gazastreifen angegriffen, in dem sich die Büros mehrerer Medienunternehmen befanden. Berichten zufolge waren die Bewohner zuvor telefonisch gewarnt worden. Die von dem Vorfall betroffene Nachrichtenagentur AP zeigte sich entsetzt.

Palästinenser schießen erneut Raketen ab

Militante Palästinenser beschossen an den Gazastreifen angrenzende Gebiete sowie die Städte Beerscheva, Aschkelon und Aschdod. Ein Einwohner von Aschdod berichtete von einer heftigen Explosion in der Stadt. Nach Polizeiangaben wurde dabei ein Haus direkt getroffen. Acht Israelis erlitten leichte Verletzungen, bestätigte der Rettungsdienst Magen David Adom.

Seit Ausbruch der Kämpfe vor einer Woche sind im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben 197 Menschen getötet worden, darunter 58 Kinder. In Israel sprachen die Behörden von zehn Toten, darunter zwei Kinder. Die aktuellen Kämpfe zwischen Israel und radikalen Palästinensern sind die schwersten seit Jahren. Sie gingen aus Auseinandersetzungen an der Al-Aksa-Moschee in Ost-Jerusalem hervor. Verschärft wurden die Spannungen durch Pläne, dort Häuser palästinensischer Familien zu räumen.

Deutschland bekennt sich zu Israel

In Deutschland sorgte der erneut eskalierende Nahostkonflikt für Bestürzung bei der Bundesregierung – und führte zu einer Solidarisierung mit Israel. So habe sich Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Telefonat mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vorbehaltlos an die Seite Israels gestellt, teilte ein Regierungssprecher mit. Zugleich habe sie aber auf ein Ende der Kämpfe gedrungen. Merkel habe auf die Zivilisten unter den Toten auf beiden Seiten hingewiesen und »ihre Hoffnung auf ein möglichst zeitnahes Ende der Kampfhandlungen« zum Ausdruck gebracht.

Zuvor hatte auch Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin den Raketenbeschuss der Hamas verurteilt: »Das ist Terror, der darauf ausgerichtet ist, willkürlich Menschen zu töten.« Deutschland stehe zu Israel und zu seinem Recht, seine Bevölkerung zu schützen. Mit Blick auf die zivilen Opfer und den Angriff auf das Medienhaus in Gaza fügte Seibert allerdings hinzu: »Wir vertrauen darauf, dass Israel hier mit Augenmaß und Wahrung der Verhältnismäßigkeit agiert.«

DER SPIEGEL

Die Hamas wisse genau, dass der Beschuss Israels mit Raketen nicht zu einer Lösung des Nahostkonflikts führen werde, sagte Seibert. Dieser Weg sei nur mit einer Rückkehr an den Verhandlungstisch möglich. Im Übrigen sei es zynisch, dass die Hamas ihre Raketen aus dicht besiedeltem Gebiet im Gazastreifen abfeuere und damit die palästinensische Bevölkerung quasi »in Geiselhaft« nehme.

Die USA versuchen derzeit, zwischen den Fronten zu vermitteln. Man würde mit »intensiver Diplomatie« versuchen, die »derzeitige Spirale der Gewalt« zu beenden, sagte US-Außenminister Antony Blinken bei einem Besuch in Kopenhagen. »Wir sind bereit, Unterstützung zu leisten, wenn die Parteien einen Waffenstillstand anstreben.« Zugleich richtete er mahnende Worte gen Israel: »Insbesondere Kinder« müssten geschützt werden, sagte Blinken. Israel habe »als Demokratie eine besondere Verantwortung« dafür.

mrc/dpa