Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats geplant Israel setzt auf massive Luft- und Artillerieangriffe gegen Hamas

Truppen der israelischen Armee haben an der Grenze zu Gaza Artillerie abgefeuert. In die Palästinenserenklave vorgedrungen sind sie entgegen früheren Angaben aber offenbar nicht.
Israelische Artillerie an der Grenze zu Gaza

Israelische Artillerie an der Grenze zu Gaza

Foto:

ATEF SAFADI / EPA

Israels Armee hat in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe auf den Gazastreifen verschärft. Im Gazastreifen seien aber »keine Soldaten«, korrigierte die Arme frühere eigene Angaben.

Zuvor hatte die israelische Armee bei Twitter verkündet: »Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an.« Diese Angabe sei aber auf ein internes Kommunikationsproblem zurückzuführen, teilte die Armee kurz Zeit später mit.

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Das israelische Fernsehen berichtete indes von massiven Angriffen der Luftwaffe sowie der Artillerie und Panzertruppen auf den Küstenstreifen. Demnach sei es der heftigste und breiteste Angriff im Gazastreifen seit Beginn der Eskalation am Montag. Die Armee rief Israelis in den Grenzorten, die bis zu vier Kilometer entfernt vom Gazastreifen leben, dazu auf, sich bis auf Weiteres in Schutzräume zu begeben.

Verteidigungsminister Benny Gantz hatte zuvor angesichts der Eskalation die Mobilisierung von weiteren 9000 Reservisten genehmigt. Vor zwei Tagen hatte die Armee bereits 5000 Reservisten mobilisiert. Nach Medienberichten bereitete sich die Armee auf eine mögliche Bodenoffensive vor.

Militante Palästinenser setzten am Donnerstag ihre heftigen Raketenangriffe auf israelische Bevölkerungszentren fort. Auch am Abend wurden erneut zahlreiche Städte beschossen, darunter Aschkelon, Aschdod und Modiin. Auch in die Richtung des internationalen Flughafens bei Tel Aviv wurden Raketen abgefeuert. In einer Ortschaft im Süden des Landes wurde nach Angaben von Rettungskräfte eine 87-Jährige auf der Flucht in einen Schutzraum tödlich verletzt.

Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 109 Menschen seit der Eskalation der Gewalt. In Israel wurden nach offiziellen Angaben bislang acht Menschen bei Raketenangriffen getötet.

Auslöser der jüngsten Gewalteskalation ist die drohende Zwangsräumung von Wohnungen in Ost-Jerusalem, die von rund 30 Palästinensern bewohnt und von jüdischen Israelis beansprucht werden.

Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats geplant

Zu dem Konflikt soll am Sonntag eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York stattfinden. Die virtuelle Sitzung sei auf Antrag von China, Norwegen und Tunesien für Sonntag um 16 Uhr MESZ angesetzt worden, teilten Diplomaten bei den Vereinten Nationen mit. Auch die USA, die die Absage einer für Freitag geplanten Sicherheitsratssitzung bewirkt hatten, seien einverstanden.

Es ist die dritte Sitzung des Uno-Gremiums zur Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern binnen einer Woche. Bei den zwei vorherigen Sitzungen hatte es keine Einigung auf eine gemeinsame Erklärung gegeben. Dies lag Teilnehmern zufolge an den USA, die eine Verurteilung ihres Verbündeten Israel ablehnten.

Zehn Ratsmitglieder, darunter Tunesien, Norwegen und China, hatten die dritte Sicherheitsratssitzung zum Nahostkonflikt zunächst für Freitag beantragt. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen sollten auch Vertreter Israels und der Palästinenser an der öffentlichen Sitzung teilnehmen. Der Antrag scheiterte demnach aber am Widerstand der Vereinigten Staaten. US-Außenminister Antony Blinken argumentierte für eine spätere Sitzung, um der Diplomatie etwas Zeit zu verschaffen.

Anmerkung: In einer früheren Textfassung hieß es unter Berufung auf den offiziellen Twitteraccount der israelischen Streitkräfte, Bodentruppen seien in den Gazastreifen vorgedrungen. Ein Armee-Sprecher hatte die Angabe der Nachrichtenagentur AFP bestätigt, räumte nun aber einen Irrtum ein. Wir haben die Meldung entsprechend korrigiert.

jok/mkl/cop/AFP/dpa