Nahostkonflikt Tote und Verletzte bei neuer Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern

Im Westjordanland sind zwei junge Männer getötet worden – der Konflikt auf dem Tempelberg droht zu eskalieren. Israel erhöht derweil seine Armeepräsenz und verhaftet Menschen in Flüchtlingslagern.
Gewalt und Konfrontationen (nicht nur) am Tempelberg

Gewalt und Konfrontationen (nicht nur) am Tempelberg

Foto: Ilia Yefimovich / dpa

Ein tödlicher Angriff auf den Wachmann einer israelischen Siedlung im Westjordanland und die Tötung eines jungen Palästinensers durch israelische Soldaten haben die Spannungen im Nahen Osten weiter verschärft. Die israelische Armee erhöhte am Samstag ihre Präsenz im Westjordanland. Im Ort Burqin und dem Flüchtlingslager Balata nahmen israelische Sicherheitskräfte mehrere Menschen fest. Dabei wurden nach Armeeangaben auch Waffen beschlagnahmt.

Nach Angaben der israelischen Armee hatten am Freitagabend zwei Terroristen das Feuer auf einen Wachmann der israelischen Siedlung Ariel im Westjordanland eröffnet. Die Täter seien dann in einem Auto geflüchtet. Den Rettungskräften zufolge erlag der Wachmann, der zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen sein soll, seinen Verletzungen.

Zu dem Angriff auf den Wachmann bekannten sich die Al-Aksa-Brigaden, eine der größten militanten Palästinenserorganisationen im Westjordanland. Der Sprecher der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen, Hasem Kassem, bezeichnete die Attacke als »heroische Operation zum Abschluss des heiligen Monats Ramadan«. Sie sei Teil »der Antwort unseres Volkes auf die Angriffe auf die Al-Aksa-Moschee«.

Neue Welle der Gewalt

An der Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg war es zuletzt mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen.

Bei einem Einsatz israelischer Soldaten in der nahe Ariel gelegenen Ortschaft Assun wurde nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums unterdessen ein Palästinenser erschossen. Der junge Mann sei in die Brust getroffen worden. Ob dieser Vorfall in Verbindung mit der Fahndung nach den beiden Tätern von Ariel stand, war zunächst unklar.

Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern hatten sich zuletzt erheblich verschärft. Am Freitag waren bei erneuten Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und der israelischen Polizei in Ost-Jerusalem 42 Menschen verletzt worden, wie der palästinensische Rote Halbmond mitteilte. Die israelische Polizei erklärte, »Randalierer« hätten auf dem Platz vor der Al-Aksa-Moschee mit Steinen und Feuerwerkskörpern geworfen, unter anderem in Richtung der Klagemauer.

Die israelischen Sicherheitskräfte rückten daraufhin auf das Gelände um die Moschee vor und gingen mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die vorwiegend jungen Männer vor, wie Augenzeugen und Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Angst vor weiterer Eskalation

In den vergangenen zwei Wochen wurden bei Ausschreitungen auf dem Moscheegelände fast 300 Palästinenser verletzt. Seit Ende März wurden zudem bei mehreren antiisraelischen Anschlägen 15 Menschen getötet. Bei Einsätzen der israelischen Sicherheitskräfte unter anderem im besetzten Westjordanland wurden 27 Palästinenser und drei arabische Israelis getötet, unter ihnen mehrere mutmaßliche Attentäter.

Befürchtet wird, dass die Spannungen den Nahostkonflikt weiter eskalieren lassen könnten. Vor einem Jahr hatten Unruhen in Jerusalem einen elftägigen bewaffneten Konflikt zwischen der Hamas im Gazastreifen und der israelischen Armee zur Folge gehabt, in dessen Verlauf mehr als 250 Menschen getötet wurden.

Israel hat während des Sechs-Tage-Krieges 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Rund 600.000 Israelis leben dort heute in mehr als 200 Siedlungen. Der Uno-Sicherheitsrat bezeichnete diese Siedlungen 2016 als Verletzung des internationalen Rechts und forderte Israel auf, alle Siedlungsaktivitäten zu stoppen. Die Palästinenser wollen im Westjordanland, dem Gazastreifen und Ost-Jerusalem einen eigenen Staat einrichten.

sem/AFP/dpa