Korruptionsvorwürfe und harte Corona-Regeln Tausende demonstrieren gegen Israels Ministerpräsidenten Netanyahu

Bei Protesten sind in Israel Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie wandten sich gegen den wegen Korruption angeklagten Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu - und Beschränkungen in der Corona-Pandemie.
Proteste gegen Benjamin Netanyahu in Tel Aviv (22. Oktober)

Proteste gegen Benjamin Netanyahu in Tel Aviv (22. Oktober)

Foto: CORINNA KERN / REUTERS

Viele Israelis haben am Samstagabend in zahlreichen Orten des Landes erneut gegen den wegen Korruption angeklagten Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu demonstriert. In Tel Aviv und Jerusalem kamen den Organisatoren zufolge jeweils Tausende Menschen zu Protesten zusammen.

Sie machten auch ihrem Frust über die Beschränkungen in der Corona-Pandemie Luft, die vor allem kleine Betriebe, Ladenbesitzer und Gastronomen hart treffen. In Tel Aviv nahm die Polizei sechs Menschen fest, die Demonstranten bedroht haben sollen, wie Sprecher Micky Rosenfeld sagte.

Bei einem Treffen des Kabinetts hatte Netanyahu zuvor höhere Strafen für Verstöße gegen die Corona-Regeln angekündigt. "Wenn die Zahl der täglichen Infektionen sinkt, werden die Einschränkungen gelockert. Wenn die Zahl der Infektionen steigt, werden die Einschränkungen verstärkt", sagte der Ministerpräsident bei einer Pressekonferenz in Jerusalem. Ein zweiter landesweiter Lockdown, der am 18. September in Kraft getreten war, wird derzeit schrittweise gelockert.

Das israelische Gesundheitsministerium hatte am Samstag 692 Neuinfektionen mit dem Coronavirus für den Vortag registriert. Ende September hatte die Zahl der Ansteckungen mit über 9000 ihren bisherigen Höchststand erreicht. Seit Beginn der Pandemie sind 2372 Menschen in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Netanyahu muss sich demnächst wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht verantworten. Er bestreitet die Anschuldigungen. In den vergangenen Monaten hatten in jeder Samstagnacht Tausende vor der Residenz des Premierministers in Jerusalem protestiert. Viele Menschen in Israel sind auch unzufrieden mit seinem Corona-Krisenmanagement. Vor allem die wirtschaftlichen Kollateralschäden befeuern derzeit Proteste gegen seine Politik.

wit/dpa
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