Mit Sicherheitsabstand Hunderte Menschen protestieren in Tel Aviv gegen Netanyahu

In Israel sind Hunderte Menschen gegen die neue Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu auf die Straße gegangen. Zum Schutz vor dem Coronavirus hielten die Demonstranten untereinander großzügig Abstand.
Demonstranten am Rabin-Platz in Tel Aviv: Protest mit Abstand

Demonstranten am Rabin-Platz in Tel Aviv: Protest mit Abstand

Foto: Oded Balilty/ AP

In Tel Aviv haben Hunderte Menschen gegen die Politik des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu demonstriert. Wegen der Corona-Pandemie hielten die Teilnehmer auf dem zentralen Rabin-Platz einen Sicherheitsabstand von zwei Metern.

Ein Polizeisprecher sprach von mehreren Hundert Teilnehmern, Medien dagegen von Tausenden. Die Demonstranten protestierten unter anderem gegen die Koalitionsvereinbarung zwischen Netanyahu und seinem Rivalen Benny Gantz vom Mitte-Bündnis Blau-Weiß.

Die Einigung zwischen Gantz und Netanyahu, der unter Korruptionsverdacht steht und sich deswegen ab dem kommenden Monat in einem Prozess verantworten muss, gefährdet nach Ansicht der Demonstranten die Demokratie.

Netanyahu hatte die Korruptionsanklage gegen ihn als Putschversuch eingestuft und Israels Justiz immer wieder aufs Schärfste kritisiert. Gantz hatte eine Koalition mit Netanyahu wegen dessen Anklage lange Zeit abgelehnt. Am Montag hatten sich die beiden dann auch mit Blick auf die Coronakrise auf die Bildung einer "nationalen Notstandsregierung" geeinigt.

In einer Ansprache rief Karmi Gillon, ehemaliger Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Netanyahu nach Medienberichten dazu auf, "die aggressive Hetzkampagne gegen die Richter des Höchsten Gerichts zu stoppen". Sollte es zu einem Mord an einem Richter kommen, werde Netanyahu dafür die Verantwortung tragen, sagte Gillon.

Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den Mord an Israels früherem Ministerpräsidenten Jizchak Rabin durch einen jüdischen Fanatiker im November 1995. Auch damals habe er Netanyahu gewarnt, dieser habe ihm jedoch nicht zugehört.

Die Bewegung "Schwarze Flaggen" sieht die fortwährende Herrschaft Netanyahus als Gefahr für die Demokratie im Land. Sie demonstrieren häufig auch mit Fahrzeugen, an denen sie schwarze Flaggen als Symbol der Gefahr befestigen.

fek/dpa/AP
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