Anschlag auf Palästinenserfamilie Jüdischer Extremist zu lebenslanger Haft verurteilt

Ein Gericht in Tel Aviv hat das Strafmaß für den jüdischen Extremisten verkündet, der 2015 drei Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet hatte. Dem überlebenden Jungen muss er zudem eine Entschädigung zahlen.
Ein Palästinenser in dem Haus, das 2015 durch den Brandanschlag zerstört wurde

Ein Palästinenser in dem Haus, das 2015 durch den Brandanschlag zerstört wurde

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ABED OMAR QUSINI/ REUTERS

Fünf Jahre nach einem tödlichen Brandanschlag auf eine palästinensische Familie im Westjordanland ist der Attentäter in Israel zu dreimal lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Das Bezirksgericht in Lod bei Tel Aviv verkündete das Strafmaß, der Schuldspruch war bereits Ende Mai gefallen.

Zusätzlich zu der lebenslangen Haftstrafe wurde der 25-jährige Siedler Amiram Ben-Uliel demnach wegen versuchten Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt. Bei dem Brandanschlag in Duma im Westjordanland waren im Juli 2015 ein 18 Monate altes Kleinkind und seine Eltern getötet worden. Nur ein vierjähriger Junge überlebte die Tat schwer verletzt. Ben-Uliel muss Entschädigungen leisten, so muss er etwa dem Kind umgerechnet 63.000 Euro zahlen.

Der Siedler war wegen Mordes in drei Fällen schuldig gesprochen worden. Die Richterin sagte nach Angaben der Nachrichtenseite ynet, der Täter sei durch eine "radikale und rassistische Ideologie" motiviert gewesen.

Der Anschlag hatte international Entsetzen ausgelöst. Nach Angaben der israelischen Armee waren damals mindestens zwei Vermummte am frühen Morgen in das Dorf Duma zwischen Nablus und Ramallah gekommen. Sie beschmierten zwei Häuser mit Graffiti auf Hebräisch, schlugen dann Fenster ein und warfen Brandbomben in die Gebäude.

Anwälte und Familienmitglieder warfen den Ermittlern vor, sie hätten das Geständnis des Hauptangeklagten und seines minderjährigen Komplizen unter Folter erzwungen. Die beiden Extremisten wollten sich laut der Anklage mit dem Brandanschlag für einen Mord an einem Israeli durch Palästinenser im Vormonat rächen.

Der minderjährige Komplize war im Juli 2018 nach zwei Jahren Haft in Hausarrest entlassen worden. Im vergangenen Jahr einigte er sich mit der Staatsanwaltschaft auf einen Deal. Eine endgültige Entscheidung in seinem Fall wird in den kommenden Monaten erwartet.

mes/dpa
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