Konflikt in Nahost Mehr als 1600 Raketenabschüsse auf Israel – mehr als 80 Tote in Gaza

Israels Küstenmetropole Tel Aviv ist erneut von Explosionen und Warnsirenen aufgeschreckt worden. Es war die fünfte Angriffswelle der Hamas. Russland bietet Hilfe bei der Vermittlung in dem Konflikt an.
In der Stadt Bat Yam südlich von Tel Aviv suchen Israelis Schutz in einem Laden

In der Stadt Bat Yam südlich von Tel Aviv suchen Israelis Schutz in einem Laden

Foto: GIL COHEN-MAGEN / AFP

In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist am Donnerstag erneut Raketenalarm ausgelöst worden. In der Stadt waren heulende Warnsirenen und Explosionen zu hören. Es war die fünfte Angriffswelle seit Dienstagabend. Die Küstenmetropole – Israels Wirtschaftszentrum – wurde in der Nacht zum Mittwoch so heftig mit Raketen beschossen wie nie zuvor.

Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser Israel massiv mit Raketen, Israel wehrt sich mit Militärschlägen. Nach Angaben des israelischen Militärs sind bislang insgesamt mehr als 1600 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Seit Beginn der Kämpfe starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen 83 Menschen. In Israel wurden nach Angaben des Militärs sieben Menschen getötet.

Die israelische Armee hat am Donnerstag nach eigenen Angaben mehrere Gruppen von Hamas-Kämpfern beschossen, die Panzerabwehrraketen abfeuern wollten. Bis Mittag seien insgesamt vier militante Trupps aufgespürt und angegriffen worden. Nach Darstellung der israelischen Cogat-Behörde beschoss die Hamas mit einer Rakete versehentlich eine Stromleitung in Gaza. Nach Angaben der israelischen Armee gingen seit Montagabend insgesamt rund 400 Raketen noch im Gazastreifen nieder und erreichten Israel nicht. 230.000 Menschen seien ohne Strom.

Auch Leitungen von Kläranlagen sollen nach Angabe der Behörde beschädigt worden sein. Zudem hat die Hamas demnach eine Entsalzungsanlage abgeschaltet. Eine Viertelmillion Menschen soll deshalb von der Wasserversorgung abgeschnitten sein. Weitere Details nannte die Behörde nicht. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen. Die Cogat-Behörde ist für die für Verbindungen Israels mit der palästinensischen Seite zuständig.

Internationale Vermittlergruppe soll einberufen werden

Nach der Eskalation im Gazakonflikt hat Russland bekannt gegeben, sich um eine Vermittlung für ein Ende der Gewalt in Nahost bemühen zu wollen. »Verschiedene Länder unternehmen Anstrengungen und nutzen ihre Kontakte, um die Parteien zur Zurückhaltung zu ermutigen – auch Russland«, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow der Staatsagentur Tass zufolge. Details nannte er zunächst nicht. Israelis und Palästinenser müssten erkennen, dass es keine Alternative zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts gebe.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow rief beide Seiten einmal mehr zu einem Ende der Gewalt auf. Nach seinem Telefonat mit dem ägyptischen Kollegen Samih Schukri teilte das russische Außenministerium mit, Moskau und Kairo wollten sich eng abstimmen bei ihren Bemühungen um einen Neustart der Verhandlungen zwischen der palästinensischen und der israelischen Seite. Lawrow will etwa die Vermittlergruppe aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU einberufen.

kig/dpa-AFX
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