Jerusalem Israelischer Polizist wegen Tötung eines autistischen Palästinensers angeklagt

Die Tat löste Proteste aus und verschärfte die ohnehin angespannte Lage: 2020 erschoss ein israelischer Polizist einen autistischen Palästinenser in Jerusalem. Dem Schützen droht nun lange Haft.
Wandmalerei für den Getöteten

Wandmalerei für den Getöteten

Foto: Mussa Qawasma / REUTERS

Ein Polizist in Israel ist wegen Totschlags angeklagt worden. Ihm drohen wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten Palästinenser bis zu zwölf Jahre Haft.

Die Tötung des 32-jährigen Iyad Halak in der Jerusalemer Altstadt hatte im vergangenen Jahr in Israel Empörung ausgelöst. Er war – so die Darstellung der Polizei – erschossen worden, nachdem er mehrere Aufforderungen zum Stehenbleiben missachtet hatte. Die Sicherheitskräfte vermuteten demnach, der Mann trage eine Waffe in der Hand. Dies stellte sich später als falsch heraus.

Die Verwandten des Opfers hatten nach dem Vorfall ausgesagt, Halak habe eine autistische Störung gehabt. Der Vorfall nährte auf palästinensischer Seite Vorwürfe, wonach die israelischen Sicherheitskräfte mit übertriebener Härte im muslimisch geprägten Ostteil Jerusalems und im Westjordanland agierten.

Kritik sahen Parallelen zum Fall George Floyds

Kritiker hatten auch Parallelen zur Tötung des Afroamerikaners George Floyd in den USA gezogen. Floyd war fünf Tage zuvor in Minneapolis ebenfalls nach tödlicher Polizeigewalt gestorben . Sein Tod hatte weltweite Proteste ausgelöst.

Der damalige israelische Verteidigungsminister Benny Gantz hatte in einer Kabinettssitzung für die Geschehnisse um Entschuldigung gebeten und Halaks Angehörigen sein Beileid ausgesprochen.

Die Mutter des Opfers kritisierte laut Reuters, dass sich die Anklage nur gegen einen der beteiligten Polizisten richte. »Andere Polizisten waren auch an seiner Tötung beteiligt. Wo sind ihre Anklagen?«

Der Anklage zufolge hatte ein älterer Polizist den 32-Jährigen nach einer Verfolgungsjagd zunächst ins Bein geschossen. Erst später trafen Kugeln des nun allein angeklagten jüngeren Polizisten Halak in Bauch und Brust.

fek/Reuters
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