Gewalt in Jerusalem Erdoğan bezeichnet Israel als »Terrorstaat«

Der türkische Präsident Erdoğan macht nach der Gewalteskalation in Jerusalem Stimmung gegen Israel. Dessen Regierung greife »brutal und unmoralisch« Muslime an.
Türkischer Präsident Erdoğan (Archivfoto)

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Turkish Presidential Press Service/ AFP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist schon mehrmals mit massiver Kritik an Israel aufgefallen. 2011 nannte er das Land eine »Bedrohung für den Nahen Osten«, 2018 sagte er, Israel sei der »faschistischste und rassistischste Staat der Welt«.

Nun, angesichts der schweren Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften in Jerusalem, hat er sich erneut zu Wort gemeldet – und Israel als »Terrorstaat« bezeichnet. Das »grausame Israel« greife »brutal und unmoralisch« Muslime in Jerusalem an, sagte Erdoğan.

Er rief die Vereinten Nationen, die Organisation für islamische Zusammenarbeit und weitere internationale Organisationen dazu auf, aktiv zu werden. Eine Welt, die Jerusalem und die Muslime nicht schützen könne, habe sich selbst verraten. Die israelische Regierung ging zunächst nicht auf Erdoğans Äußerungen ein.

Israels Nachbarstaat Jordanien drohte ebenfalls mit Konsequenzen. Man werde den internationalen Druck erhöhen, teilte ein Regierungssprecher mit. Israel solle Gläubigen ihren Frieden lassen.

SPIEGEL ONLINE

Bei schweren Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften waren allein in der Nacht zum Samstag in Jerusalem mehr als 200 Menschen verletzt worden. In der Nacht auf Sonntag gab es in Ost-Jerusalem erneut Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und palästinensischen Gläubigen.

Das Nahostquartett aus Uno, EU, Russland und den USA äußerte »tiefe Besorgnis« über die Vorfälle. Israel wurde aufgerufen, Zurückhaltung zu üben. Auch Papst Franziskus rief dazu auf, die Gewalt zu beenden.

Israels Regierung will an Zwangsräumungen festhalten

Die Lage im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind wütend, weil die israelische Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hat, um Versammlungen zu verhindern. Dazu kommen drohende Zwangsräumungen für palästinensische Familien. Dutzende Palästinenser im Ostteil Jerusalems sollen auf Druck Israels ihre Häuser verlassen.

Premierminister Benjamin Netanyahu sagte, man widersetze sich dem Druck, in Jerusalem keine neuen Häuser zu bauen. Dies soll nach den Zwangsräumungen geschehen.

Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahostkonflikt. Israel beansprucht Jerusalem als »ewige und unteilbare Hauptstadt« für sich. Die Palästinenser halten ihrerseits an ihrem Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt fest.

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Aksa-Moschee ist sowohl die drittheiligste Stätte im Islam als auch im Judentum von größter Bedeutung, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

ssu/AP/dpa-AFX
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