Konflikt mit der Hisbollah Schusswechsel an der israelisch-libanesischen Grenze

Israels Armee hat ihre Truppen an der Grenze zum Libanon verstärkt. Nun hat das Militär eigenen Angaben zufolge mehrere Hisbollah-Kämpfer gestoppt. Dabei seien auch Schüsse gefallen.
Rihaniya, Israel: Zwei israelische Soldaten an einem Kontrollpunkt in der Nähe der israelisch-libanesischen Grenze

Rihaniya, Israel: Zwei israelische Soldaten an einem Kontrollpunkt in der Nähe der israelisch-libanesischen Grenze

Foto: Ayal Margolin/ dpa

Die Spannungen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet nehmen zu. Erst kürzlich hat Israel weitere Soldaten in die Region geschickt. Nun hat es dem israelischen Militär zufolge einen Sicherheitsvorfall an der Grenze zum Libanon gegeben.

Militärsprecher Jonathan Conricus sagte, es sei zu einem Schusswechsel in der Region Har Dov im Norden des Landes gekommen. Man habe eine Gruppe von Hisbollah-Kämpfern daran gehindert, nach Israel vorzudringen. Israelische Soldaten hätten Schusswaffen, Panzer und Artillerie eingesetzt, auch um eine Rauchwand zu schaffen. Der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah nahestehende Kreise bestätigten, dass es einen Angriff gegeben habe.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Benny Gantz begaben sich nach einem TV-Bericht zu Beratungen ins Verteidigungsministerium.

Der Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. Die israelische Armee kündigte Ende vergangener Woche eine Verstärkung ihrer Truppen im Norden des Landes an. Israelischen Medienberichten zufolge handelte es sich dabei um eine Reaktion auf einen Bericht des zur Hisbollah gehörenden TV-Senders Manar, wonach bei einem Raketenangriff Israels in Syrien ein ranghohes Hisbollah-Mitglied getötet wurde. Befürchtet wurden Vergeltungsaktionen.

Kommandeur der Uno-Friedensmission mahnt zu Deeskalation

Der israelische Militärsprecher Conricus sagte, Mitglieder einer Zelle hätten die sogenannte blaue Linie mehrere Meter weit überquert, daraufhin hätten israelische Soldaten sie beschossen. Die Mitglieder der Zelle, drei bis fünf mit Gewehren bewaffnete Männer, seien zurück in den Libanon geflohen. Es sei unklar, ob sie verletzt oder getötet wurden. Auf israelischer Seite gebe es keine Opfer. Die blaue Linie ist die internationale Grenze. Die israelischen Bewohner der Region waren von der Armee angewiesen worden, in ihren Häusern zu bleiben.

Der Kommandeur der Uno-Friedensmission Unifil im Libanon, Stefano Del Col, nahm Angaben der Uno-Truppe zufolge Kontakt zu den Konfliktparteien auf und bemühte sich um Deeskalation. Er rief beide Seiten zu Zurückhaltung auf.

Israels Ministerpräsident Netanyahu hatte unmittelbar vor dem Vorfall in Jerusalem gesagt: "Der Libanon und die Hisbollah werden die Verantwortung tragen für alle Angriffe auf uns von libanesischem Gebiet aus." Das israelische Militär sei auf jedes Szenario vorbereitet.

Die Hisbollah verfügt im Libanon unter anderem über einen politischen Flügel, der an der dortigen Regierung beteiligt ist. Ihr militärischer Arm wendet sich gegen den Nachbarn Israel und ist im syrischen Bürgerkrieg an der Seite der Regierungstruppen im Einsatz.

In der Region - auch Schebaa-Farmen genannt - waren 2006 zwei israelische Soldaten entführt worden, das löste damals den zweiten Libanonkrieg aus. Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, dem Libanon und Israel ist seit Langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.

asc/dpa