Laut Militärexperten Israel lockte Hamas-Kämpfer offenbar mit Tweet in Tunnel-Falle

Mit etwa 500 Tonnen Munition hat Israels Luftwaffe am Freitag ein Tunnelsystem der Hamas bombardiert, es kamen vermutlich viele Kämpfer ums Leben. Dass sie sich dort aufhielten, könnte mit einer Finte zu tun gehabt haben.
Bei einem massiven Angriff auf ein breites Tunnelsystem der im Gazastreifen herrschenden Hamas hat Israels Luftwaffe nach eigenen Angaben rund 500 Tonnen Munition eingesetzt

Bei einem massiven Angriff auf ein breites Tunnelsystem der im Gazastreifen herrschenden Hamas hat Israels Luftwaffe nach eigenen Angaben rund 500 Tonnen Munition eingesetzt

Foto: - / dpa

Mit einer Meldung über eine angebliche Bodenoffensive im Gazastreifen hat Israels Armee ausländische Medien offenbar in die Irre geleitet – und zahlreiche Hamas-Kämpfer in eine Falle. Diese bereits am Freitag von Journalisten geäußerte Theorie teilen laut einem Bericht der Agentur AP israelische Militärexperten.

»Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an«, hatte die Armee in der Nacht zum Freitag getwittert, woraufhin mit einer Bodenoffensive Israels gerechnet wurde. Dies hatte nach Medienberichten zahlreiche Hamas-Kämpfer dazu bewegt, in das unterirdische Metro-Tunnelsystem abzutauchen.

Experte: »Es war schlau und erfolgreich«

Nachdem sie so in die Falle gegangen seien, habe Israels Luftwaffe das Tunnelnetz rund 40 Minuten lang bombardiert. Die Armee dementierte eine gezielte Manipulation der ausländischen Medien und sprach von einem Kommunikationsfehler. Es befinde sich kein israelischer Soldat im Gazastreifen, hieß es später. Ausländische Medien hatten der israelischen Armee konkret vorgeworfen, sie mit dem Tweet kurz vor dem Angriff absichtlich manipuliert zu haben. Eine Korrespondentin des »Wall Street Journal<< gab gegenüber AP an, ein Militärsprecher habe ihr eine bevorstehende Militäroffensive am Boden bestätigt.

Gut informierte israelische Militärkommentatoren stützten den Verdacht, die Medien seien für die Operation vom Militär ausgenutzt worden. »Sie haben nicht gelogen«, sagte der langjährige Militärkorrespondent Or Heller im israelischen Fernsehsender Channel 13 TV. »Es war eine Manipulation. Es war schlau und erfolgreich.«

Gezielt hätte Israel Bodentruppen an der Grenze zum Gazastreifen zusammengezogen und dann den Tweet abgesetzt. Viele Medien hatten Eilmeldungen über einen bevorstehenden Bodenangriff abgesetzt. Laut Heller hätten zahlreiche erfahrene israelische Korrespondenten nicht an eine solche Operation geglaubt, da sie unsichere Erfolgsaussichten gehabt hätte.

Bei dem Angriff auf das Tunnelsystem hat Israels Luftwaffe nach eigenen Angaben rund 500 Tonnen Munition eingesetzt. An dem Angriff auf das sogenannte Metro-System in der Nacht zum Freitag seien 160 Flugzeuge des Typs F-16 und F-35 beteiligt gewesen, sagte ein ranghoher Offizier der israelischen Luftwaffe am Samstag. Es sei noch unklar, ob und wie viele Hamas-Kämpfer dabei getötet worden seien. »Potenziell sind es aber Hunderte«, sagte er.

Ziel der gesamten Operation sei es, gegenüber der Hamas die Abschreckung wiederherzustellen, sagte der Offizier. »Es ist sehr schwierig, Ziele inmitten eines bewohnten Gebiets anzugreifen. Aber es ist der einzige Weg, Hamas abzuschrecken.« Es dürfe keine einzige Rakete mehr aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert werden. Bei den Angriffen bemühe die Luftwaffe sich stark, zivile Opfer möglichst zu vermeiden. Ein Ende sei vorerst nicht abzusehen. »Wir sind mitten in einer sehr intensiven Operation.«

nis/dpa/AP
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