Vermittlung im Gaza-Konflikt Weißes Haus verteidigt Nahost-Bemühungen als »stille Diplomatie«

Das Weiße Haus hat Israelis und Palästinenser bislang nicht zu einer Waffenruhe aufgerufen – ein ungewöhnlicher Vorgang. Selbst Demokraten kritisieren den Kurs. Nun erkärt eine Sprecherin von US-Präsident Biden die Taktik.
Joe Biden: Verfolgt einen anderen Kurs als Donald Trump

Joe Biden: Verfolgt einen anderen Kurs als Donald Trump

Foto: JONATHAN ERNST / REUTERS

Seit mehr als einer Woche bekämpfen sich Israel und die radikalislamische Hamas, der Konflikt ist so blutig wie seit Langem nicht. Viele Länder fordern ein sofortiges Ende der Gewalt, die USA blieben öffentlich jedoch ziemlich ruhig. Nun hat die US-Regierung ihr Vorgehen im Nahostkonflikt verteidigt.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte in Washington, die Regierung sei der Ansicht, mit »stiller intensiver Diplomatie« aktuell am meisten erreichen zu können. In der vergangenen Woche hätten Regierungsmitarbeiter, von Präsident Joe Biden bis zu unteren Ebenen, mehr als 60 Gespräche mit Vertretern Israels, der Palästinenser und vielen Partnern in der Region geführt. Es liefen viele Gespräche »hinter den Kulissen«. Nicht zu jedem Aspekt dieser diplomatischen Bemühungen gebe es öffentliche Mitteilungen.

Trotz internationaler Bemühungen um eine Waffenruhe dauert der Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen an. Vielerorts waren zuletzt Forderungen laut geworden, dass sich Bidens Regierung stärker um eine Beilegung des Konflikts bemühen sollte. Internationalen Rufen nach einer Waffenruhe hat sich die US-Regierung bislang nicht explizit angeschlossen.

Biden-Kritik aus dem eigenen Lager

Die Kritik an der stillen Diplomatie von US-Präsident Joe Biden war unter anderem von den Republikanern, aber zum Teil auch aus den eigenen Reihen gekommen. Am Sonntag hatte eine Gruppe von mehr als zwei Dutzend demokratischen Senatoren in einer gemeinsamen Stellungnahme eine sofortige Waffenruhe verlangt.

Eine Woche nach Beginn des erneuten bewaffneten Konflikts zwischen Israel und militanten Palästinensern gehen die Kampfhandlungen derweil unvermindert weiter. Israels Armee tötete am Montag nach eigenen Angaben gezielt einen ranghohen Militärkommandeur der Palästinenserorganisation »Islamischer Dschihad« im Gazastreifen. Militante in dem Küstengebiet beschossen in der Folge die südlichen israelischen Städte Beerscheva, Aschkelon und Aschdod.

DER SPIEGEL

Seit Ausbruch der Kämpfe sind im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben 197 Menschen getötet worden, darunter 58 Kinder. In Israel sprachen die Behörden von zehn Toten, darunter zwei Kinder. Die aktuellen Kämpfe gingen aus Auseinandersetzungen an der Al-Aksa-Moschee in Ost-Jerusalem hervor. Verschärft wurden die Spannungen durch Pläne, dort Häuser palästinensischer Familien zu räumen.

mrc/dpa
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