Raketensalven in Israel Uno warnt vor Flächenbrand in Nahost

Rund 200 Tote, darunter viele Kinder: In Israel eskaliert die Gewalt wie seit Jahren nicht mehr. Uno-Generalsekretär Guterres warnt vor unkontrollierbaren Folgen für den gesamten Nahen Osten.
Wohnviertel in Gaza nach Angriffen Israels am Wochenende: Der Raketenbeschuss zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas geht weiter

Wohnviertel in Gaza nach Angriffen Israels am Wochenende: Der Raketenbeschuss zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas geht weiter

Foto: MOHAMMED ABED / AFP

Uno-Generalsekretär António Guterres hat wegen der eskalierenden Gewalt in Israel vor unkontrollierbaren Folgen für die gesamte arabische Halbinsel gewarnt. Der Konflikt habe das »Potenzial, eine unaufhaltsame Sicherheits- und humanitäre Krise auszulösen und den Extremismus nicht nur auf dem besetzten palästinensischen Gebiet und in Israel, sondern in der gesamten Region zu fördern«, sagte Guterres bei einer Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York.

»Dieser sinnlose Kreislauf aus Blutvergießen, Terror und Zerstörung muss sofort aufhören«, forderte Guterres. Er sei entsetzt über die steigende Zahl getöteter palästinensischer Zivilisten durch israelische Luftangriffe in Gaza und über die steigende Zahl israelischer Opfer durch Raketen aus dem Gazastreifen.

Die Uno-Botschafterin der USA, Linda Thomas-Greenfield, forderte ebenfalls ein Ende der »Provokationen, gewalttätigen Angriffen, Terroranschlägen, Verteibungen und dem Abreißen von Häusern«. Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter. Sie haben bislang eine gemeinsame Stellungnahme des Uno-Sicherheitsrats verhindert, weil sie eine Gefährdung ihrer eigenen Vermittlungsversuche fürchten. Derzeit bemüht sich der US-Sondergesandte Hady Amr in der Region um eine diplomatische Lösung.

188 Tote in Gaza, darunter 55 Kinder

Trotz verstärkter internationaler Bemühungen um ein Ende der Gewalt ging der Raketenbeschuss zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas am Wochenende unvermindert weiter. Allein am Sonntag starben bei israelischen Angriffen nach Palästinenserangaben mehr als 40 Menschen im Gazastreifen, darunter acht Kinder.

Der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern ist in einem Maße eskaliert wie seit Jahren nicht mehr. Das israelische Militär teilte am Sonntagmorgen mit, es habe allein in den vergangenen 24 Stunden mehr als 90 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Insgesamt starben seit Montag mindestens 188 Menschen in Gaza, darunter 55 Kinder. Mehr als 1200 Menschen wurden verletzt.

Radikale Palästinenser schossen ihrerseits seit Montag rund 3000 Raketen auf Israel ab, wie das israelische Militär am Sonntag mitteilte. Etwa 450 stürzten demnach auf dem Gebiet des Gazastreifens ab, rund 1150 wurden vom israelischen Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen. In Israel wurden seit Montag zehn Menschen durch Raketenbeschuss getötet und mehr als 280 verletzt.

In Ost-Jerusalem wurden am Sonntag bei einem Anschlag mit einem Auto mehrere Menschen verletzt. Vier Polizisten seien bei dem Angriff im Stadtteil Scheich Dscharrah verletzt worden, teilte die Polizei mit. Die örtlichen Rettungskräfte berichteten von insgesamt sieben Verletzten. Über Zustand und Identität des Angreifers, der mit Schüssen gestoppt werden konnte, war zunächst nichts bekannt.

Maas fordert Zweistaatenlösung

Die israelischen Streitkräfte nehmen nach eigenen Angaben insbesondere die Infrastruktur der militanten Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad ins Visier. Unter anderem wurden demnach ein Tunnelsystem, Waffenfabriken und Lagerstätten der Hamas angegriffen. Auch das Haus des Chefs des politischen Flügels der Hamas, Jahia Sinwar, wurde nach Militärangaben zerstört. Ob Sinwar bei dem Anschlag getötet wurde, ist noch unklar.

Am Samstag hatte vor allem die Zerstörung eines von internationalen Medien genutzten Gebäudes in Gaza durch Israel international für Empörung gesorgt. Die Armee begründete den Angriff damit, dass sich darin auch militärische Anlagen des Geheimdienstes der Hamas befunden hätten. Kritiker sagen, die Regierung in Tel Aviv habe dafür bisher keine Beweise vorgelegt.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) plädierte für einen Drei-Stufen-Plan zur Deeskalation des Konflikts. Es brauche einen Stopp des Raketenterrors, ein Ende der Gewalt und die Rückkehr zu Gesprächen über eine Zweistaatenlösung, twitterte er. Dabei wird ein unabhängiger Staat Palästina neben dem Staat Israel angestrebt.

ssu/AFP/dpa