Nach Angriff auf Hochhaus US-Präsident Biden fordert Israel zum Schutz von Journalisten auf

Die Sicherheit von Journalisten sei vorrangig: Nach dem Angriff auf ein auch von Medien genutztes Hochhaus hat die US-Regierung Israel ermahnt. Dessen Regierungschef Netanyahu hat sich bereits erklärt.
Nur noch Schutt: Der Ort, an dem das Hochhaus stand, in dem auch internationale Medien Büros unterhielten

Nur noch Schutt: Der Ort, an dem das Hochhaus stand, in dem auch internationale Medien Büros unterhielten

Foto: Naaman Omar / imago images/ZUMA Wire

Die US-Regierung hat sich nach dem Angriff der israelischen Luftwaffe auf ein Hochhaus in Gaza-Stadt besorgt gezeigt. Präsident Joe Biden brachte gegenüber Israels Premierminister Benjamin Netanyahu Bedenken zum Ausdruck, ob Journalisten in dem Konfliktgebiet sicher seien. Medienvertreter müssten geschützt werden.

In dem eingestürzten Haus unterhielten auch internationale Medien Büros, darunter die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) und der Fernsehsender Al Jazeera. »Wir haben den Israelis direkt mitgeteilt, dass die Gewährleistung der Sicherheit von Journalisten und unabhängigen Medien eine vorrangige Verantwortung ist« schrieb die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Samstag auf Twitter.

Netanyahu versicherte US-Präsident Joe Biden laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, Israel tue alles dafür, um zu verhindern, dass Zivilisten in der Auseinandersetzung zu Schaden kämen. Die beiden Politiker hatten nach dem Raketenangriff auf das Gebäude telefoniert.

Haus stürzte kurz nach Angriff ein

Die israelische Armee teilte bei Twitter mit, Kampfjets hätten am Samstag ein Hochhaus angegriffen, in dem der Militärgeheimdienst der islamistischen Hamas über »militärische Ressourcen« verfügt habe. »In dem Gebäude liegen Büros ziviler Medien, hinter denen die Terrororganisation Hamas sich versteckt und die es als menschliche Schutzschilde missbraucht.« Die Hamas positioniere ihre militärischen Mittel absichtlich im Herzen dicht besiedelter Wohngebiete im Gazastreifen. Gegenüber dem britischen Sender BBC bestritt der Hausbesitzer, dass die Hamas das Gebäude genutzt hätte.

Der Hauseigentümer war vor einem bevorstehenden israelischen Raketenangriff gewarnt worden, das Hochhaus war deshalb evakuiert worden. Al Jazeera, ein von der Regierung Katars finanzierter Nachrichtensender, übertrug die Luftangriffe und den Einsturz des eigenen Büros live. Das ganze Haus war kurz nach dem Angriff eingestürzt.

Die Nachrichtenagentur AP reagierte entsetzt. »Das ist eine unglaublich beunruhigende Entwicklung«, teilte AP-Präsident Gary Pruitt am Samstag in New York mit. »Wir sind nur knapp einem schrecklichen Verlust von Menschenleben entgangen.« Ein Dutzend AP-Journalisten und freie Mitarbeiter seien rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden.

Agenturchef »schockiert«

Pruitt zeigte sich »schockiert« darüber, dass das israelische Militär ein Gebäude mit Medienbüros zerstörte. Die Welt werde nun weniger darüber erfahren, was in Gaza passiert. Der Armee sei bekannt gewesen, dass das AP-Büro in dem Gebäude untergebracht war. »Wir bemühen uns um Informationen von der israelischen Regierung und sind mit dem US-Außenministerium in Kontakt.«

Der katarische Fernsehsender Al-Jazeera wertete den Angriff als ein »Verbrechen« und den Versuch, »Medien zum Schweigen zu bringen«. Dies werde aber nicht gelingen, hieß es in einer in Doha veröffentlichten Erklärung.

Der Sender zitierte seine Korrespondentin Youmna al-Sayed mit den Worten, dass die Armee dem Besitzer des Hochhauses eine Stunde für die Evakuierung eingeräumt habe. Der Besitzer habe erfolglos um mehr Zeit gebeten. »Die Zerstörung ist gewaltig«, sagte sie. »Kein Ort in Gaza scheint jetzt sicher zu sein.«

Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms sagte nach der Zerstörung des Gebäudes, Tel Aviv solle sich auf eine »Antwort vorbereiten, die die Erde erschüttern lässt«.

nis/AP/dpa/AFP
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