Konflikt im Nahen Osten Israel zerstört Hochhaus in Gaza – und erlebt neue Angriffswelle

Die israelische Luftwaffe hat ein weiteres Hochhaus in Gaza zerstört. In Tel Aviv gingen unterdessen erneut Raketen der Palästinenser nieder. Nun wollen die USA einen Vermittler senden.
Überreste des Al-Scharuk-Hauses in Gaza: Bereits drei große Gebäude zerstört

Überreste des Al-Scharuk-Hauses in Gaza: Bereits drei große Gebäude zerstört

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Mohammed Abed / AFP

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen ist am Mittwochabend ein weiteres Hochhaus im Stadtzentrum von Gaza zerstört worden. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, wurde das zehnstöckige Al-Scharuk-Haus, in dem sich unter anderem Büros des Fernsehsenders Al-Aksa befanden, zerstört.

Es handelt sich bereits um das dritte große Gebäude, das seit Montag durch israelische Luftangriffe im Gazastreifen zerstört wurde. Am Dienstagabend war bereits ein Hochhaus in Gaza, in dem sich auch mehrere Büros der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas befanden, vollständig eingestürzt.

Die Hamas erklärte unterdessen, sie habe als Reaktion auf den Angriff 130 Raketen auf Israel abgefeuert. Am Abend heulten wieder die Sirenen, neben mehreren Städten im Süden des Landes auch in der Großstadt Tel Aviv. In Sderot wurde ein fünf Jahre alter Junge nach Angaben der Stadtverwaltung bei einem Raketenangriff tödlich verletzt.

Mehr als tausend Raketen auf Israel abgefeuert

Nach israelischen Angaben haben militante Palästinenserorganisationen wie die Hamas und der Islamische Dschihad seit Montag schon mehr als tausend Raketen in Richtung Israel abgefeuert. Viele der Geschosse wurden von der israelischen Raketenabwehr abgefangen, andere schlugen jedoch in Wohngebieten ein.

Als Reaktion auf die Attacken flog die israelische Luftwaffe die schwersten Angriffe seit dem Gaza-Krieg 2014. Sie bombardierte bei hunderten Einsätzen Einrichtungen der Hamas und anderer militanter Gruppen im Gazastreifen. Verteidigungsminister Benny Gantz kündigte weitere Angriffe an, um eine »vollständige« Ruhe im Gazastreifen zu erzwingen.

In Israel wurden bislang sechs Menschen durch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen getötet. Bei den israelischen Luftangriffen wurden nach palästinensischen Angaben insgesamt 56 Menschen getötet, unter ihnen 14 Kinder.

USA senden Spitzendiplomaten als Vermittler

Weltweit wächst die Angst, dass sich die Auseinandersetzungen zu einem andauernden Krieg ausweiten könnten. Angesichts der Gewalteskalation senden nun die USA einen Vermittler in die Region. Wie US-Außenminister Antony Blinken am Mittwoch ankündigte, wird der im Außenministerium für Israel und die Palästinenser zuständige Vize-Staatssekretär Hady Amr »sofort« abreisen. Er solle mit Verantwortlichen der beiden Konfliktparteien sprechen und »auf eine Deeskalation der Gewalt dringen«.

Blinken bezeichnete die Bilder von getöteten palästinensischen Zivilisten als »grauenvoll«, sagte aber zugleich, Israel habe angesichts von Raketenangriffen aus dem Gazastreifen das Recht zur Selbstverteidigung. Es gebe einen »sehr klaren und absoluten Unterschied zwischen der Terrororganisation Hamas, die wahllos Raketen herunterregnen lässt, die Zivilisten zum Ziel haben, und Israels Antwort, sich selbst zu verteidigen.« Der US-Außenminister rief Israel aber auf, »alles Erdenkliche zu unternehmen, um zivile Opfer zu vermeiden«.

DER SPIEGEL

US-Präsident Joe Biden telefonierte eigenen Angaben zufolge mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu. Biden sagte, dass Israel das Recht habe, sich selbst zu verteidigen. Er habe die Hoffnung, dass die Gewalt bald gestoppt werden könne, sagte Biden.

Uno und Russland sprechen sich für Nahost-Quartett aus

Um das zu erreichen, sprachen sich Uno-Generalsekretär António Guterres und Russlands Außenminister Sergej Lawrow für ein Treffen des Nahost-Quartetts aus. »Wir sind heute zu der gemeinsamen Auffassung gekommen, dass die dringendste Aufgabe in der Einberufung des Quartetts der internationalen Vermittler besteht«, sagte Lawrow in Moskau. Die Gruppe besteht aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte zuvor Augenmaß von Israel gefordert. Alle Anstrengungen sollten nun darauf gerichtet werden, weitere zivile Opfer zu vermeiden und Deeskalation zu unterstützen.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock kritisierte die Raketenangriffe der Hamas und sprach der israelischen Bevölkerung ihre Solidarität aus. Israel habe ein völkerrechtlich verbrieftes Recht auf Selbstverteidigung, sagte sie. »Wir stehen in diesen schwierigen Stunden an der Seite der Israelinnen und Israelis.« Die Sicherheit des Staates Israel sei ein Teil der deutschen Staatsräson.

slü/hba/dpa/afp
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