Raketenangriff Israel zerstört Hochhaus mit Medienbüros in Gaza

Ein Hochhaus im Gazastreifen ist eingestürzt, nachdem es von israelischen Raketen beschossen wurde. Der Angriff wurde angekündigt. Laut israelischer Armee befanden sich in dem Gebäude auch »militärische Ressourcen« der Hamas.
Brennender Al-Jalaa-Turm in Gaza: Einsturz nach Raketenangriff

Brennender Al-Jalaa-Turm in Gaza: Einsturz nach Raketenangriff

Foto: Mahmud Hams / AFP

Ein Hochhaus im Gazastreifen, in dem unter anderem die Büros der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) und des Fernsehsenders Al Jazeera untergebracht sind, ist eingestürzt. Zuvor wurde es von israelischen Raketen getroffen. In dem Gebäude befanden sich auch eine Reihe von Wohnungen und andere Büros.

Der Eigentümer war vor einem bevorstehenden israelischen Raketenangriff gewarnt worden, das Hochhaus war infolge der Warnung evakuiert worden. Al-Jazeera, ein von der Regierung Katars finanzierter Nachrichtensender, übertrug die Luftangriffe und den Einsturz des eigenen Büros live.

DER SPIEGEL

Der Beschuss markiert eine weitere Eskalation des Nahostkonflikts zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Seit vergangenem Montag beschießen militante Palästinenser Israel fortwährend mit Raketen. Israel reagiert seinerseits mit massiven Angriffen in dem Küstengebiet. Mindestens 139 Menschen sind im Gazastreifen seitdem gestorben.

Nach dem Angriff äußerte sich die israelische Armee: Kampfjets hätten ein Hochhaus angegriffen, in dem der Militärgeheimdienst der islamistischen Hamas über »militärische Ressourcen« verfügt habe. »In dem Gebäude liegen Büros ziviler Medien, hinter denen die Terrororganisation Hamas sich versteckt und die es als menschliche Schutzschilde missbraucht.« Die Hamas positioniere ihre militärischen Mittel absichtlich im Herzen dicht besiedelter Wohngebiete im Gazastreifen.

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Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, schrieb am Samstag auf Twitter: »Wir haben den Israelis direkt mitgeteilt, dass die Gewährleistung der Sicherheit von Journalisten und unabhängigen Medien eine vorrangige Verantwortung ist.«

AP-Chef Gary Pruitt teilte mit, sein Unternehmen sei »schockiert und entsetzt«, dass das israelische Militär das Haus zerstört habe. Die Welt werde fortan weniger über die Ereignisse in Gaza erfahren.

Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms sagte nach der Zerstörung des Gebäudes, Tel Aviv solle sich auf eine »Antwort vorbereiten, die die Erde erschüttern lässt«.

Der Beschuss des Medienhochhauses kam Stunden nach einem weiteren israelischen Luftangriff auf ein dicht besiedeltes Flüchtlingslager in Gaza-Stadt, bei dem mindestens zehn Angehörige einer Großfamilie, hauptsächlich Kinder, getötet wurden. Es handelte sich dabei um den tödlichsten Angriff des aktuellen Konflikts.

Irreführende Mitteilungen

Am Freitag hatte es eine Auseinandersetzung zwischen mehreren internationalen Medien und Nachrichtenagenturen und der israelischen Armee gegeben. Kurz nach Mitternacht hatte das israelische Militär bekannt gegeben, dass »Luft- und Bodentruppen« derzeit den Gazastreifen angriffen. Auf Nachfrage mehrerer Journalisten bestätigte ein Sprecher eine Invasion. Stunden später, nachdem mehrere Nachrichtenagenturen fälschlicherweise über einen Einmarsch berichtet hatten, gab das Militär eine »Klarstellung« heraus. Tatsächlich hatte es keine Bodenoffensive gegeben.

Stattdessen kam es zu einem massiven Angriff auf ein breites Tunnelsystem der Hamas, bei dem Israels Luftwaffe nach eigenen Angaben rund 500 Tonnen Munition eingesetzt hat. Es sei noch unklar, ob und wie viele Hamas-Kämpfer dabei getötet worden seien. »Potenziell sind es aber Hunderte«, sagte ein ranghoher Offizier.

Die Mitteilung des Militärs hatte nach Medienberichten zahlreiche Hamas-Kämpfer dazu bewegt, in das Tunnelsystem abzutauchen. Nachdem sie so in die Falle gegangen seien, habe Israels Luftwaffe das Netz rund 40 Minuten lang bombardiert. Die Armee dementierte eine gezielte Manipulation der ausländischen Medien und sprach von einem »Kommunikationsfehler«.

rai/AP/Reuters/dpa
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