Festnahme im Westjordanland Israels Armee räumt nach Tod von Palästinenser Fehlverhalten ein

Ein 80 Jahre alter Palästinenser mit US-Pass wird vom israelischen Militär kontrolliert, kurz darauf ist er tot – ein Herzinfarkt. Die verantwortlichen Soldaten wurden nun gerügt, in zwei Fällen auch temporär degradiert.
Stacheldraht und ein Warnschild trennen die Grenze zwischen Jerusalem und Ramallah

Stacheldraht und ein Warnschild trennen die Grenze zwischen Jerusalem und Ramallah

Foto: AHMAD GHARABLI / AFP

Nach dem Tod eines 80 Jahre alten Palästinensers hat die israelische Armee moralisches Fehlverhalten und unzulängliche Entscheidungen der zuständigen Soldaten kritisiert. Der Mann – der auch US-Bürger war – war vor rund drei Wochen nach einer vorübergehenden Festnahme im Westjordanland gestorben. »Einer der zentralen Werte der israelischen Armee – menschliches Leben zu schützen – ist verletzt worden«, hieß es nun in der Stellungnahme.

Nach palästinensischen Angaben fanden Anwohner den Mann nach der Festnahme tot auf. Laut Gesundheitsministerium starb er an den Folgen eines Herzinfarktes. Es gab Vorwürfe von palästinensischer Seite, die Soldaten hätten den Mann während der Festnahme schikaniert und ihm auch die Augen verbunden. Der palästinensische Ministerpräsident Mohammed Schtaje sowie das palästinensische Außenministerium machten Israel für den Tod des Mannes verantwortlich.

Laut Armee waren Soldaten nachts im Bereich des Ortes Dschaldschulia unterwegs, »um Terroraktivitäten zu verhindern und Waffen zu beschlagnahmen«. Bei einer Fahrzeugkontrolle habe sich der Palästinenser nicht ausweisen können und die Zusammenarbeit verweigert, hieß es. Die Soldaten hätten seine Hände zusammengebunden und ihn für kurze Zeit geknebelt. Zudem hätten sie ihn mit drei anderen Palästinensern in einen Innenhof in der Nähe gebracht. Nach einer halben Stunde seien alle freigelassen und alle Fesseln abgenommen worden.

Soldaten glaubten angeblich, der Mann sei eingeschlafen

Die Soldaten hätten während seiner Festnahme keine Anzeichen für eine Notlage bei dem Mann festgestellt, heißt es in dem Bericht. Sie hätten angenommen, er sei eingeschlafen.

Der zuständige Kommandeur werde gerügt, zwei weitere Vorgesetzte würden von ihren Positionen entfernt, teilte die Armee mit. Sie würden zwei Jahre lang keine Kommandofunktionen einnehmen. Die Ergebnisse der Untersuchung würden der Militärjustiz übergeben.

Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ostjerusalem erobert. Die Palästinensische Autonomiebehörde beansprucht die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt.

mrc/dpa
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