Umstrittener Prozess in der Türkei Dündars Anwälte kündigen Boykott der Urteilsverkündung an

Gegen den türkischen Journalisten Can Dündar läuft ein Gerichtsverfahren wegen Terrorunterstützung. Seine Anwälte wollen die Urteilsverkündung boykottieren – sie werfen den Richtern Befangenheit vor.
Can Dündar lebt im Exil in Deutschland

Can Dündar lebt im Exil in Deutschland

Foto: Juergen Blume / imago images/epd

Die Anwälte des Journalisten Can Dündar haben angekündigt, die Urteilsverkündung gegen ihren Mandanten am Mittwoch in Istanbul boykottieren zu wollen. Die Verteidiger warfen den Richtern Parteilichkeit vor. Dündar selbst lebt inzwischen im Exil in Deutschland.

»Wir wollen durch die Verteidigung vor dem 14. Gericht für schwere Straftaten nicht Teil einer Praxis sein, die einem zuvor festgelegten, politischen Urteil Legitimität verleiht«, begründeten die Anwälte ihre Entscheidung. Die Rechte Dündars und seiner Familie würden missachtet. Dündar, der in Deutschland im Exil lebt, teilte die Entscheidung auf Twitter mit.

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Dündar werden Terrorunterstützung und »militärische oder politische Spionage« vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft verlangt bis zu 35 Jahre Haft. Bei der vergangenen Verhandlung Anfang Dezember hatte die Verteidigung den Austausch der Richter beantragt, mit der Begründung, dass diese nicht unabhängig seien. Der Antrag wurde abgewiesen.

Hintergrund des Verfahrens gegen Dündar ist ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 2015. Damals veröffentlichte die Zeitung »Cumhuriyet« geheime Informationen, die Waffenlieferungen der Regierung an Rebellen in Syrien belegen sollten. Dündar war zu der Zeit Chefredakteur der »Cumhuriyet«.

höh/dpa
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