Süditalien Kalabriens Parlamentspräsident wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Mafia festgenommen

Ein hochrangiger italienischer Politiker soll der Mafia im Gegenzug für Hilfe im Wahlkampf illegal Genehmigungen erteilt haben. Nun wurde der Parlamentspräsident Kalabriens zusammen mit weiteren Verdächtigen verhaftet.
Anti-Mafia-Einsatz in Kalabrien (Archivbild)

Anti-Mafia-Einsatz in Kalabrien (Archivbild)

Foto: A1809 epa ansa Cufari/ dpa

Bei einer Aktion gegen die Mafiagruppe 'Ndrangheta in der süditalischen Region Kalabrien hat die Polizei einen hochrangiger Politiker und 19 weitere Beschuldigte festgenommen. Bei dem Politiker handelt es sich laut übereinstimmenden Medienberichten  um den Parlamentspräsidenten Kalabriens, Domenico Tallini.

Die Polizei wirft ihm demnach vor, Verwaltungsverfahren beschleunigt zu haben, um der kriminellen Grande-Aracri-Familie Genehmigungen zu beschaffen. Der Clan benötigte diese den Polizeiangaben zufolge, um ein Netzwerk von Apotheken vor allem in Kalabrien zu eröffnen. Über diese soll die Mafia schließlich Geld gewaschen haben. Im Gegenzug sollen die Kriminellen den Präsidenten bei der Regionalwahl im November 2014 unterstützt haben.

Kalabrien zählt zu den ärmsten Regionen Italiens

Die Region an der »Stiefelspitze« Italiens zählt zu den ärmeren Gegenden des Landes und ist für den dortigen Einfluss der Mafia bekannt. In der Coronakrise erklärte die Regierung die Region zu einer roten Zone mit strengen Einschränkungen für die Menschen.

Ein Grund dafür ist, dass das Gesundheitssystem in Kalabrien weiterhin vergleichsweise schwach aufgestellt ist. So standen in der gesamten Region Ende Oktober nur etwa 154 Intensivbetten zur Verfügung, kaum mehr als zu Beginn der Pandemie im Frühjahr.

Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Posse um den staatlich bestellten Gesundheitskommissar der Region. Innerhalb von zehn Tagen gaben sich gleich drei Politiker nach Entlassung und Rücktritten die Klinke für diesen Posten in die Hand.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es an einer Stelle, der Regionalpräsident Kalabriens sei gefasst worden. Wir haben dies korrigiert.

fek/dpa