Tödliches Unglück vor italienischer Küste Feuer und Explosion auf Boot - mehrere Migranten sterben

Ein Boot mit Migranten hat vor der italienischen Küste Feuer gefangen, anschließend gab es eine Explosion. Mindestens drei Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt.
Erste Hilfe nach der Explosion: Der Hafen von Le Castella am Sonntag

Erste Hilfe nach der Explosion: Der Hafen von Le Castella am Sonntag

Foto: REMO CASILLI / REUTERS

Vor der italienischen Küste in Kalabrien sind mehrere Migranten gestorben und einige weitere verletzt worden. Das berichten italienische Medien. Das Boot der Migranten fing am Sonntag Feuer, anschließend gab es eine Explosion. Die Rauchsäule war noch vom nahen Strand der Stadt Crotone sichtbar.

Die genaue Zahl der Opfer ist noch unklar, italienische Medien berichten von mindestens drei Todesopfern. Unklar ist, ob die Migranten bei der Explosion starben oder auf der Überfahrt. Offenbar werden noch Menschen vermisst.

Ein Boot mit rund 20 Menschen  an Bord versuchte offenbar, die Küste zu erreichen und wurden dann von den italienischen Behörden bemerkt. Das Boot wurde gerade von einem Schiff des italienischen Zolls in Richtung Crotone geschleppt, als es aus zunächst ungeklärter Ursache Feuer fing. Anschließend kam es zu einer Explosion an Bord. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Unter ihnen sind nach TV-Berichten auch zwei italienische Beamte. Einer brach sich demnach das Bein, ein anderer erlitt Verbrennungen.

Mehr Flüchtlingsankünfte in Italien

An der Südküste Italiens kommen seit Wochen wieder mehr Flüchtlinge und Migranten an - oft ohne Unterstützung der Küstenwache oder privater Seenotretter. Seit Januar erreichten rund 17.000 Personen Italien.

Allein am Wochenende landeten Hunderte Geflüchtete auf der Insel Lampedusa und in Kalabrien an. Die meisten dieser sogenannten "Geisteranlandungen" sind Boote aus Tunesien. Das nordafrikanische Land ist in den vergangenen Monaten zum wichtigsten Herkunftsland von Flüchtlingen und Migranten auf der zentralen Mittelmeerroute geworden.

Die Wirtschaft in Tunesien steckt in der Krise. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit der schlimmsten Rezession seit der Unabhängigkeit des Landes. Die Arbeitslosigkeit dürfte 2020 Schätzungen zufolge infolge der Corona-Pandemie von 15 auf 21 Prozent steigen. Viele junge Menschen wollen Arbeit in Europa suchen. Vor allem in den Touristenhochburgen Tunesiens verdienen sie dieses Jahr kaum etwas. 

Bürgermeister von Lampedusa ruft zum Streik auf

In Süditalien sorgen die steigenden Zahlen zunehmend für Widerstand in den Ankunftsorten. Der Bürgermeister von Lampedusa, Toto Martello, rief zu einem Streik auf und forderte die Regierung von Ministerpräsidenten Giuseppe Conte erneut zum Handeln auf. Marineschiffe sollten Boote mit Migranten abfangen und aus Lampedusa herausbringen, da das örtliche Aufnahmezentrum voll sei.

Auch das private deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 4" wartet derzeit in der Nähe von Sizilien auf eine Erlaubnis in den Hafen einfahren zu dürfen. An Bord befinden sich 353 Geflüchtete, die von privaten Seenotrettern aus dem Mittelmeer gerettet worden waren. Einen Teil davon hatte das von Banksy finanzierte Schiff "Louise Michel" gerettet und anschließend an die größere "Sea-Watch 4" übergeben.

Viele der Menschen an Bord sind traumatisiert und haben Treibstoffverbrennungen erlitten. Italienische und maltesische Behörden verweigern privaten Seenotrettern seit Beginn der Coronakrise wieder zunehmend die Einfahrt in die Häfen.

slü/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.