Kurz vor italienischen Parlamentswahlen Melonis Partei suspendiert Kandidaten wegen Hitler-Äußerung

Er bezeichnete Adolf Hitler einst als »großen Staatsmann«, kurz vor den Parlamentswahlen in Italien kostet ihn das nun seine Kandidatur: Melonis Postfaschisten von Fratelli d'Italia haben Calogero Pisano abserviert.
»Bereit, um Italien wieder aufzurichten«: Wahlwerbung von Giorgia Meloni in Rom

»Bereit, um Italien wieder aufzurichten«: Wahlwerbung von Giorgia Meloni in Rom

Foto: YARA NARDI / REUTERS

In wenigen Tagen wählt Italien ein neues Parlament. Nun bringt die positive Äußerung eines Kandidaten über Adolf Hitler die Postfaschisten von Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) in Bedrängnis. Die Partei hat ihr auf Sizilien kandidierendes Mitglied Calogero Pisano mit sofortiger Wirkung von allen Formen der Parteirepräsentation ausgeschlossen. Seine Parteimitgliedschaft wurde suspendiert.

Pisano hatte vor acht Jahren einen Kommentar in den sozialen Medien verbreitet, in dem er Hitler als einen »großen Staatsmann« bezeichnete. Die Zeitung »La Repubblica« hatte die Äußerung kürzlich veröffentlicht . Pisano entschuldigte sich: »Vor Jahren habe ich Dinge geschrieben, die zutiefst falsch waren«, schrieb er auf Facebook. Er habe seine Kommentare bereits vor einiger Zeit gelöscht.

Partei im Mainstream angekommen

Die Fratelli d'Italia gehen auf eine nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete, neofaschistische Gruppe zurück. Parteichefin Giorgia Meloni, die Umfragen zufolge nach der Wahl am Sonntag an der Spitze der nächsten italienischen Regierung stehen könnte, hat versucht, sich von der extremen Rechten zu distanzieren und stellt ihre Partei als Konservative im politischen Mainstream dar. Das nun in die Schlagzeilen geratene Parteimitglied Pisano hatte vor sechs Jahren auch den Internetkommentar einer anderen Person unterstützt, die Meloni als »moderne Faschistin« bezeichnete und erklärte, die Fratelli d'Italia hätten »nie mit ihren wahren Idealen hinter dem Berg gehalten«.

Die jüdische Gemeinde in Italien zeigte sich entsetzt. »Die Vorstellung, dass jemand, der ein Loblied auf Hitler singt, im nächsten Parlament sitzt, ist inakzeptabel«, erklärte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Rom, Ruth Dureghello.

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Es wird weithin damit gerechnet, dass die Fratelli d'Italia als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgehen und zusammen mit einem Bündnis aus rechten Parteien einen Sieg erringen werden. Zu den vorgezogenen Wahlen kommt es, nachdem das Regierungsbündnis unter dem parteilosen Ministerpräsidenten Mario Draghi im Juli auseinandergebrochen war. Der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank stand seit Februar 2021 einer breiten Mehrparteienkoalition vor, die von links bis weit rechts reichte – die Fratelli d'Italia aber nicht einschloss.

col/Reuters
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