Jack Smith Dieser Mann nimmt Donald Trump nun juristisch ins Visier

Seine Arbeit wird juristisch komplex und politisch kompliziert: Das US-Justizministerium hat Jack Smith als Trump-Sonderermittler eingesetzt. Wer ist der Jurist? Ein Kurzporträt.
Jack Smith

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Jerry Lampen / AP

Der Sonderermittler gegen Donald Trump wird aus Den Haag eingeflogen. Seit Jahren arbeitet Jack Smith in der niederländischen Stadt als Chefankläger am Sondertribunal zu Kriegsverbrechen im Kosovo. Jetzt bekommt der erfahrene Jurist in seiner Heimat einen Posten mit gewaltiger politischer Sprengkraft: Als Sonderermittler wird Smith die Untersuchungen der US-Justiz zum früheren Präsidenten Trump übernehmen – und das zwei Jahre vor der Präsidentschaftswahl 2024, bei der Trump erneut antreten will.

US-Justizminister Merrick Garland beauftragte Smith am Freitag mit den Ermittlungen zu den in Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago beschlagnahmten Geheimdienstdokumenten und auch – in Teilen – zur Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021.

»Herr Smith wird seine Arbeit als Sonderermittler sofort aufnehmen und aus Den Haag in die USA zurückkehren«, sagte Garland bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. »Über seine Karriere hinweg hat Jack Smith sich einen Ruf als unparteiischer und entschlossener Staatsanwalt aufgebaut, der seine Teams mit Energie und Konzentration führt, den Fakten zu folgen, wo auch immer sie hinführen.«

»Unter meiner Leitung wird das Tempo der Ermittlungen nicht pausieren oder nachlassen«

Smith gelobte in einer ersten Stellungnahme unabhängige, schnelle und sorgfältige Ermittlungen. »Unter meiner Leitung wird das Tempo der Ermittlungen nicht pausieren oder nachlassen.«

Der Druck ist gewaltig: Smiths Ermittlungen werden letztlich darüber entscheiden, ob Ex-Präsident Trump formell beschuldigt und angeklagt werden könnte. Schon einmal hatte sich ein sogenannter Special Counsel mit Trump befasst: Der frühere FBI-Chef Robert Mueller ging ab 2017 der sogenannten Russland-Affäre nach. Bei seinen fast zweijährigen Ermittlungen fand Mueller zwar keine ausreichenden Beweise für illegale Geheimabsprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland vor den Wahlen 2016. Vom Verdacht strafbarer Justizbehinderung entlastete er den Präsidenten jedoch ausdrücklich nicht.

Trump jubelte trotzdem und behauptete fälschlicherweise, Mueller habe ihn völlig reingewaschen. Viele Experten warfen Mueller in der Folge vor, die Ermittlungen nicht konsequent genug vorangetrieben zu haben und deswegen gescheitert zu sein.

Harvard-Absolvent mit internationaler Berufserfahrung

Smith kann bei seinen Ermittlungen gegen Trump auf eine große Justiz-Erfahrung bauen:

  • Der Absolvent der Elite-Universität Harvard hatte seine Karriere als Staatsanwalt in den Neunzigerjahren in New York begonnen.

  • 1999 wechselte er an eine der Bundesstaatsanwaltschaften in der Millionenmetropole, wo er neun Jahre lang arbeitete.

  • 2008 ging Smith an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

  • Dort arbeitete er zwei Jahre lang als Ermittlungskoordinator und beaufsichtigte laut seiner offiziellen Biografie Ermittlungen gegen »ausländische Regierungsvertreter und Milizen wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord«.

  • Smith kehrte dann für fünf Jahre in das US-Justizministerium zurück.

  • Später wechselte er zur Bundesstaatsanwaltschaft im Südstaat Tennessee, bevor er 2018 wieder den Atlantik überquerte und seine Arbeit beim Kosovo-Sondertribunal in Den Haag aufnahm. Im September 2021 begann dort der erste Prozess gegen einen ehemaligen Kommandeur der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK), Smith sprach damals von einem »Meilenstein«.

Nun übernimmt Smith einen Posten, der ihn fordern dürfte wie kein anderes Amt zuvor, seine Arbeit wird juristisch komplex und politisch kompliziert. Er steht ab sofort im Rampenlicht und könnte Attacken des Trump-Lagers ausgesetzt sein. Der Ex-Präsident beklagte kurz nach Smiths Ernennung zum Sonderermittler, der Schritt sei »politisch« und »unfair«.

dop/AFP
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