Sieg von Lula in Brasilien Bolsonaro will Wahlergebnis offenbar nicht anfechten

Jair Bolsanaro hüllte sich lange in Schweigen. Jetzt gibt ein Regierungsmitglied in Brasilien bekannt: Der abgewählte Präsident wird den Sieg seines Rivalen Lula da Silva anerkennen.
Jair Bolsonaro (im September): Offizielle Erklärung im Laufe des Tages geplant

Jair Bolsonaro (im September): Offizielle Erklärung im Laufe des Tages geplant

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Carlos Santtos / Fotoarena / IMAGO

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wird nach Angaben eines Regierungsmitglieds seine Wahlniederlage nicht anfechten. Bolsonaro werde dies im Laufe des Tages in einer offiziellen Erklärung kundtun, kündigte Kommunikationsminister Fabio Faria gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an. Kurz vor seiner Rede werde Bolsonaro sich mit Richtern des Obersten Gerichtshofs treffen.

Der rechtsextreme Amtsinhaber war bei der Präsidentenwahl am Wochenende seinem Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva knapp unterlegen. Bislang hatte er sich in Schweigen gehüllt, was Spekulationen schürte, dass er das Ergebnis nicht anerkennen könnte.

Bei der Stichwahl am Sonntag hatte Lula 50,9 Prozent der Stimmen erhalten, der rechte Amtsinhaber kam nach Angaben des Wahlamtes auf 49,1 Prozent.

Argentiniens Präsident Alberto Fernández reiste gleich am Montag in das Nachbarland, um Lula persönlich zu beglückwünschen. Die beiden Männer trafen sich in einem Hotel in São Paulo und umarmten sich, wie am Montag in einem von Fernández auf Twitter veröffentlichten Video zu sehen war. »Meine ganze Liebe, Bewunderung und Achtung, lieber Genosse«, schrieb der argentinische Staatschef.

Straßensperren gegen Lula

Der Präsident des Obersten Wahlgerichts, Alexandre de Moraes, hatte sowohl Lula als auch Bolsonaro bereits in der Wahlnacht telefonisch über das Ergebnis informiert. »Das Ergebnis wurde verkündet und akzeptiert«, sagte Moraes. Die Gewählten würden ihre Ämter am 1. Januar antreten. Die Beobachtermission der Interamerikanischen Union der Wahlbehörden nannte die Wahlen frei, fair und transparent und fand keine Hinweise auf Manipulation.

Aus Protest gegen den Sieg von Lula errichteten Anhänger von Bolsonaro an vielen Orten Straßensperren. Mittlerweile gebe es in mindestens 23 der 27 brasilianischen Bundesstaaten insgesamt mehr als 250 teilweise oder vollständige Straßensperren, teilte die Bundesverkehrspolizei (PRF) am Dienstagmorgen (Ortszeit) mit.

»Nein zu Lula!«, skandierten Demonstranten an einer Brücke in São Paulo. Dort wurden gleich mehrere Straßen blockiert, darunter eine große Verbindungsstraße, die nach Rio de Janeiro führt.

Am Montagabend sorgte die Blockade von Straßen rund um den Guarulhos-Flughafen in São Paulo, den größten internationalen Flughafen des Landes, für die Streichung mehrerer Flüge. Besonders viele Straßensperren wurden aus dem südlichen Bundesstaat Santa Catarina gemeldet, in dem fast 70 Prozent der Wähler für Bolsonaro gestimmt hatten.

als/Reuters/AFP

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