Istanbul Ermittler sehen keine Fremdeinwirkung bei Tod des Weißhelm-Gründers

Vor drei Monaten wurde James Le Mesurier, Mitbegründer der syrischen Weißhelme, in Istanbul tot aufgefunden. Die Ermittlungen brachten jedoch keine konkreten Ergebnisse. Der Verdacht gegen seine Frau wurde ausgeräumt.
James Le Mesurier war Gründer der syrischen Rettungsorganisation Weißhelme (Archivbild)

James Le Mesurier war Gründer der syrischen Rettungsorganisation Weißhelme (Archivbild)

Foto: Uncredited/ dpa

Die Ursachen des Todes von James Le Mesurier, Gründer der syrischen Rettungsorganisation Weißhelme in Istanbul, bleiben unklar. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen dazu eingestellt. Nach der Auswertung von Überwachungskameras, Mobiltelefonen und Zeugenaussagen habe man keinen Hinweis auf Fremdeinwirkung feststellen können, teilte die Istanbuler Staatsanwaltschaft nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mit.

Le Mesurier war im November im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu tot vor seinem Wohnhaus aufgefunden worden. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war er aus großer Höhe gestürzt.

Gegen Le Mesuriers Ehefrau war nach dem Vorfall ermittelt und zwischenzeitlich eine Ausreisesperre verhängt worden. Kameraaufnahmen zufolge waren sie und ihr Ehemann die einzigen, die sich zu dessen Todeszeitpunkt in der Wohnung aufgehalten hatten. Auch die Ermittlungen gegen die Ehefrau wurden nun eingestellt.

Mehr als 115.000 Menschen gerettet

Die Weißhelme wurden durch ihren Einsatz im syrischen Bürgerkrieg bekannt, vor allem im Osten der lange Zeit heftig umkämpften Stadt Aleppo. Sie waren nach Bombenangriffen oft unter den ersten Helfern vor Ort. In den vergangenen acht Jahren retteten sie nach US-Angaben mehr als 115.000 Menschen. 2016 wurde die Organisation mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Die deutsche Regierung unterstützt die Weißhelme bereits seit längerer Zeit.

Die Kurzdoku "The White Helmets" gewann 2017 einen Oscar. Der 40-minütige Film zeigt, wie die freiwilligen Retter Verletzte aus eingestürzten Häusern bergen, die zuvor von russischen und syrischen Militärs bombardiert worden waren.

Bei einem dieser Einsätze trafen die Weißhelme auf Spuren chemischer Kampfstoffe. Ihre Videoaufnahmen sowie Gewebe- und Bodenproben wurden in einer Untersuchung der Vereinten Nationen genutzt, die zu dem Schluss kam, dass das syrische Regime das Nervengift Sarin eingesetzt hatte. Die Regierungen in Damaskus und Moskau starteten daraufhin eine Propaganda-Kampagne gegen Le Mesurier und die Weißhelme.

vks/dpa