Gebietsstreit mit Japan Russland will Präsenz auf Kurilen-Inseln offenbar ausbauen

Russland und Japan streiten seit Jahrzehnten um vier Inseln im Nordpazifik. Tokio hatte Moskau zuletzt »illegale Besetzung« vorgeworfen. Nun droht der Konflikt weiter zu eskalieren.
Auf diesem Bild des russischen Verteidigungsministeriums bewegen sich Raketenwerfer zu ihren Positionen auf der Matua-Insel, nahe der Inseln, die auch Japan beansprucht

Auf diesem Bild des russischen Verteidigungsministeriums bewegen sich Raketenwerfer zu ihren Positionen auf der Matua-Insel, nahe der Inseln, die auch Japan beansprucht

Foto: Uncredited / dpa

Der russisch-japanische Territorialstreit um die Kurilen-Inseln hat sich angesichts des Krieges in der Ukraine zuletzt verschärft. Nun plant Moskau offenbar, die umstrittenen, südlich der russischen Halbinsel Kamtschatka gelegenen Inseln vollständig zu erschließen. Das kündigte der stellvertretende Ministerpräsident Juri Trutnew laut russischer Nachrichtenagentur Tass während eines Arbeitsbesuchs in der fernöstlichen Region Chabarowsk an. Bereits im August 2021 hatte es Medienberichte gegeben, wonach Russland seine Militärpräsenz auf den Inseln ausbaut.

»Größte Sorge« im Verhältnis zu Russland

Die Äußerung könnte die Beziehungen zu Japan weiter belasten, das ebenfalls Anspruch auf die vier südlichsten Inseln der Inselkette erhebt. Zuletzt hatte Japan Russland erstmals seit fast 20 Jahren beschuldigt, vier Inseln »illegal« zu besetzen. In seinem jüngst veröffentlichten diplomatischen Jahresbericht bezeichnete das japanische Außenministerium den Konflikt um die Kurilen-Inseln als »größte Sorge« im Verhältnis zu Russland. Bei den fraglichen Inseln handele es sich um »japanische Territorien, über die Japan Souveränitätsrechte besitzt, die aber derzeit illegal von Russland besetzt« seien.

Von einer »illegalen Besetzung« der Inseln durch Russland hatte Tokio zuletzt im Jahr 2003 gesprochen. Auch in den darauffolgenden Jahren war der Konflikt immer wieder Thema in den diplomatischen Jahresberichten Japans, auf den Vorwurf der »illegalen« Okkupation hatte Tokio darin aber verzichtet.

Der Konflikt reicht bis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zurück, als die Sowjetunion die Inseln annektierte. Die Frage der Zugehörigkeit der Inseln hat bisher die Unterzeichnung eines Friedensvertrags zur formellen Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Moskau und Tokio verhindert.

Nach Einschätzung Tokios wird der Ukrainekrieg die Bemühungen um eine Einigung mit Russland über die Kurilen-Inseln weiter verzögern. Moskau hatte im März angekündigt, aus den Gesprächen über die Inseln auszusteigen. Es sei »unmöglich«, Gespräche mit einem Land fortzusetzen, das »eine offen feindselige Position« gegenüber Russland eingenommen habe und das »danach strebt, den Interessen unseres Landes Schaden zuzufügen«. Japan hat wie die übrigen Mitglieder der G7-Gruppe wegen des Ukrainekriegs Sanktionen gegen Russland verhängt.

svs/Reuters
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